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Bericht 41:
14 Jahre Ural – die Geschichte einer
Freundschaft
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Es
begann in Östersund, Schweden, im Frühjahr 1990,
bei der Senioren-Meisterschaft im Skilanglauf. Vor dem Start zum
ersten Rennen stand ein Russe neben mir. Als er hörte, dass
ich Deutscher bin, rief er aus: „Deutschland muss vereint
werden und die Russen müssen raus aus Deutschland.“ Es
war Andrej Simon, der Präsident des kurz vorher gegründeten
russischen Amateur-Skiverbandes. Er entpuppte sich als ein ideenreicher,
quicklebendiger Mann und sprach mit auf einen Sportler-Austausch
an: Deutsche zum Training nach Russland und Russen zum Gegenbesuch.
Ich überlegte kurz und dachte: Wenn sie nichts haben, die
Russen, Schnee zum Trainieren werden sie im November / Dezember
sicher haben, wo wir den Schnee in unseren Breiten oft vergeblich
suchen. Kalli Kamphenkel, der Senioren-Sportwart, sah das auch
so. Im August 1991 machte ich mich zusammen mit sechs anderen Senioren-Sportlern
auf den Weg zu einer Informationsreise, die Andrej Simon organisierte
hatte. Wir kamen nach Moskau, St. Petersburg, nach Kasachstan und
auch in den Ural. Eine aufregende, interessante Erkundungsfahrt: überall
wurden wir freudig empfangen. Die Russen und auch wir empfanden
das als Aufbruch in eine neue Zeit. Im Ural hatte ich Nicolai Lobyncev
kennen gelernt und auch Viktor Ivanovic, den umtriebigen Mann aus
der geheimen Nummernstadt, die sich später den Namen Novouralsk
gab.
Wir sind Freunde geworden und verstehen uns gut, auch wenn wir
für eine anspruchsvolle Konversation Dolmetscher nötig
haben. Er hat mich damals zu einem Besuch in der gesperrten Stadt
eingeladen. Die Stadt Novouralsk hatte damals als geheime Stadt
nur eine Nummer und war auf keiner Landkarte zu finden. Im November
des gleichen Jahres war ich erstmals mit einer Sportlergruppe in
der Stadt Slatoust zum Langlauftraining. Von dort rief ich Nicolai
an und bot meinen Besuch an, obwohl ich wusste, dass die Stadt
für Ausländer strikt verboten war. Doch ich hatte seinen
Ehrgeiz angestachelt, und mit Hilfe seines obersten Chefs konnte
er in wenigen Tagen die Genehmigung der Sicherheitsbehörde
durchsetzen. Ich wurde mit einem Wolga, der damals komfortabelsten
russischen Limousine, abgeholt. Mit dabei als Begleiter war ein
Sportfunktionär, der reichlich Essen und Trinken für
die Reise über 550 Kilometer mitgebracht hatte.
Es sollte eine abenteuerliche Fahrt werden, denn nach einer Stunde
schon kam das Auto mit defekter Ölwanne zum Stehen. Ich war
neugierig, wie es weitergeht, einen ADAC-Notruf gab es nicht. Der
Fahrer reckte am Straßenrand den Arm heraus. Da verstand
ich, dass er per Anhalter weiter wollte und das mitsamt dem Auto
und den Fahrgästen. Bei mir kam noch ein dicker Skisack und
viel Gepäck dazu. Für das Abschleppen kam nur ein Lkw
in Betracht. Tatsächlich hielt einer an, und der noble Wolga
mitsamt Inhalt wurde mit einem Drahtseil angekoppelt. Auf diesem
Weg wollte unser zuversichtlicher Fahrer nicht etwas nur zur nächsten
Werkstatt, nein, bis nach Hause vor die Tore der gesperrten Stadt
wollte er gezogen werden. Es war ja auch schon finstere Nacht geworden.
Zwei Mal wurden wir abgekoppelt, und nach Wartezeit von einem anderen
mitgenommen. Dann riß auch noch das Seil. Im Pkw saß nur
der Fahrer zum Lenken, wir beide anderen waren wegen der Kälte
im Lkw-Führerhaus untergekommen. Der Lkw-Fahrer hatte im Rückspiegel öfter
nach hinten geschaut. Ob der Pkw noch da war, konnte er nur in
einer Kurve erkennen. Er hat plötzlich angehalten, gewendet,
und nach einigen Kilometern entdeckten wir gemeinsam unser verschollenes
Auto mit dem hilflosen Fahrer am Straßenrand.
Wir sind später in einer Polizeistation gestrandet, noch
dazu abgeschnitten von einer Telefonverbindung zu der nur 60 Kilometer
entfernten geheimen Stadt. Mittlerweile war mein Freund Nicolai
in der Stadt mit der Nummer in große Unruhe geraten. Stundenlang
hat er mit dem Bürgermeister und anderen lokalen Größen
auf mich gewartet. „Wir müssen ihn finden, ob tot oder
lebendig“, soll Nicolai ausgerufen haben.
Schließlich sind sie mit einem Polizeifahrzeug losgefahren,
und sie haben uns tatsächlich aufgegabelt. So öffnete
sich für mich am frühen Morgen in Begleitung von Nicolai
und der Ortsprominenz der Schlagbaum, und ich war der erste westliche
Besucher in dieser Stadt.
Die Stadt mit ihren 110.000 Einwohnern ist eingezäunt. Einlass
und Auslass wird an den Schlagbäumen nur nach sorgfältiger
Prüfung des Spezialausweises gewährt. Die Menschen dort
wollen natürlich aus der Isolation heraus. In den „heißen“ Jahren
des Kalten Krieges durften sie noch nicht mal die Stadt verlassen.
Ich war ein gern gesehener Gast im Rathaus, im Theater, in der
Hochschule, im Sportverein, im Abendkurs für Englisch-Unterricht
und natürlich auch auf der Langlaufloipe. Jeden Abend war
ich bei einer anderen Familie zu Gast. Ich konnte mich vor Einladungen
nicht mehr retten. Und Nicolai, der sich einige Tage Urlaub genommen
hatte, wollte mich natürlich so häufig wie möglich
für sich haben, auch bei sich zu Hause im Kreise seiner Familie.
Das lag ihm besonders am Herzen. Der von seiner Frau und Tochter
festlich gedeckte Tisch unterstrich schon die Bedeutung meines
Besuches. Unvergesslich für mich sind jedoch die Gespräche
mit ihm und seiner Familie. Ja, wir haben dabei viel Gemeinsamkeiten
entdeckt bei der Schilderung unseres persönlichen und beruflichen
Werdeganges, bei der Erörterung weltpolitischer Fragen und
der Sorge um die Zukunft Russlands. Er hatte mir natürlich
auch Bilder gezeigt – und seine Wettkamp-Trophäen. Die
von ihm aus dem Kreis der Englischlehrerinnen ausgewählte
Dolmetscherin Galina hatte es nicht leicht, denn Nicolai formuliert überlegt
und tiefschürfend, und ich hatte, auch in den Jahren danach,
oft den Eindruck, dass nicht alles so rüberkam, wie er es
sagen wollte. Nicolai ist sportlich-schlank und schon von seiner äußeren
Erscheinung her eine Respektsperson. Mit seinem hohen Verantwortungsbewusstsein,
Fleiß, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit ist er
eigentlich kein typischer Russe, die ja oft liebenswerte Chaoten,
aber Meister im Improvisieren sind.
Ich musste versprechen, wiederzukommen und andere mitzubringen.
Als der Bürgermeister erfahren hatte, dass ich Bankmanager
bin, wurde mir die Zusage abgerungen, im nächsten Jahr ein
Seminar zum Thema Kapitalismus abzuhalten. Es war die Stunde Null
der freien Wirtschaft, doch keiner wusste, wie es geht. Im nächsten
Jahr war ich wieder da, diesmal mit meiner Jutta, der ich so viel
erzählt hatte. Als Dolmetscher für die Vorträge
wurde ein Wissenschaftler aus Sachsen eingeflogen, der perfekt
Russisch sprach. Sie wollten ein Patentrezept für den Kapitalismus
hören. Ich sollte ihnen erklären, wie das deutsche Wirtschaftswunder
aus dem Nachkriegschaos entstanden ist. Ich musste ihre Hoffnungen
mit dem Hinweis dämpfen, dass in Russland erst eine junge,
gut ausgebildete Generation heranwachsen muss. Ich sah ja unter
den Zuhörern beim Thema Marktwirtschaft auch die skeptisch
dreinblickenden Funktionäre und Apparatschiks.
Als Nicolai seinen 70. Geburtstag mit vielen Gästen im Kulturpalast
und einem anspruchsvollen Kulturprogramm feierte, waren meine Frau
und ich die weitest angereisten Gratulanten. Und er kam auch mit
einigen Freunden zu meinem runden Wiegenfest. Das hatten wir uns
schon Jahre vorher gegenseitig versprochen, und das galt. Später
im November 2002 hat er mich wieder eingeladen, diesmal zu seinem
75.. Da konnte ich jedoch nicht zusagen, denn es war kurz vor Beginn
des zweiten Teils unserer Weltreise.
Das Millenium haben wir im Ural gefeiert. Auf Langlaufskier sind
wir in der Nacht mit Stirnlampen bei 24 Grad Kälte durch den
Wald gelaufen, zu der Grenze Europa-Asien. Nach russischem Brauch
sind wir im tiefen Schnee Hände haltend um einen geschmückten
Tannenbaum gestapft, haben Schaschlik gegessen und uns alle umarmt.
Mit Glühwein haben wir auf das ankommende Jahr 2000 angestoßen.
Rechtzeitig sind wir durch den verschneiten Wald abgefahren, in
der banja, der russischen Sauna, haben wir dann bei 120 Hitzegraden
die in die Knochen gekrochene Kälte vertrieben. Dann ging
das Feiern in unserem Privatquartier mit 30 Gästen erst richtig
los. Wir hatten ja noch die Jahreswende nach Moskau-Zeit und deutscher
Zeit vor uns.
Im Jahr 2001 feierten wir unser zehnjähriges Ural-Jubiläum.
In unseren persönlichen Patenstädten, die 550 Kilometer
auseinander liegen. Wenn wir eine Stadt besuchten, mussten wir
unbedingt auch in die andere. Von Slatoust nach Novouralsk, wie
die geheime Nummerstadt später hieß, und umgekehrt.
Es sind unsere persönlichen Partnerstädte, und wir fühlen
uns dort wie zu Hause.
Vier Jahre lag unser letzter Besuch zurück, als wir uns erneut
aufmachten in den Ural. Unsere Radweltreise lag dazwischen. Immer
waren wir beide uns einig: Wir müssen wieder dahin, dürfen
unsere Freunde nicht im Stich lassen. Es ergab sich eine Kombireise
Ende Februar zu den Senioren-Meisterschaften in Krasnogorsk bei
Moskau und anschließend weiter in den Ural. Bei der WM teilten
wir mit Nicolai unser Appartement. Ihm ging es nicht so gut in
diesen zehn Tagen: Ein hartnäckiger Husten plagte ihn. Ihm
gegenüber beschlicht mich deshalb mit meiner gewonnenen Bronze-Medaille
ein klein wenig das schlechte Gewissen.
Aus beiden der uns so vertrauten Städte im Ural Slatoust
und Novouralsk erwartete uns eine Delegation bei unserer Ankunft
in Jekaterinenburg. Mit Blumen, Sekt und Leckerbissen wurden wir
empfangen: ein Wiedersehen nach langer Zeit. Schon auf der Fahrt
nach Slatoust erkannten wir, dass sich in den vier Jahren Einiges
geändert hatte. Wir saßen in einem komfortablen neuen
Auto, gesteuert vom Fahrer der Künstlerin Nina. Vor elf Jahren
hatte sie zusammen mit ihrem Mann begonnen, gewerblich hochwertige
Stahlgravuren zu fertigen. Schwierige Anlaufzeiten hatten sie zu überwinden,
wie wir bei unseren Besuchen beobachten konnten. Nun beschäftigt
sie 300 Mitarbeiter, uns es geht aufwärts. Das erzählte
uns Larissa, die uns als Dolmetscherin in Empfang genommen hatte.
Temperamentvoll, wie wir sie in Erinnerung hatten, kündigte
sie uns auf der Fahrt durch die Uralwälder ein reichhaltiges
Besuchs- und Besichtigungsprogramm an. Wir wohnten in diesen neun
Tagen wie auch die Jahre zuvor im Prophylaktorium, einem Sanatorium
draußen vor der Stadt im Wald, die Langlaufloipen vor der
Tür. Alles wie gehabt: Auch der Chefarzt ist noch der gleiche
und begrüßte uns in deutscher Sprache.
Ja, der wirtschaftliche Fortschritt war unverkennbar in der Stadt
mit ihren 200.000 Einwohnern. Die neuen Badarmaturen in den Appartements
des Sanatoriums waren da noch ein bescheidenes Beispiel. Überraschend
die vielen neuen Autos auf ausgebauten Straßen. Auch bei
starken Schneefällen kein Chaos: Die Russen sind da versiert,
ihre Reifen sind mit Spikes bewaffnet. Frisch renovierte Fassaden
in der Altstadt, viele Läden und Shops nach westlichem Vorbild
mit reicher Auswahl – also muss es auch eine Nachfrage geben.
Eine Vielfalt des Angebotes, wo es vor 14 Jahren nur wenige dieser
trostlosen Magazine mit spärlichen Einheitsprodukten gab.
Auch die Tankstelle modern mit Warenangebot, Cafés, Pizzerias,
Restaurants: Die Jugend interessiert sich für all das, was
aus dem Westen kommt, allem voran Autos, Kleidung, aber auch die „Esskultur“ mit
Pizzas und Hamburgern. Der Teebeutel hat den Samowar abgelöst,
das Handyfieber grassiert wie bei uns im Westen, wo noch vor vier
Jahren meine Jutta absolute Funkstille für ihr Handy hatte.
Arbeitsplätze gab es früher nur in den beiden Rüstungskombinaten,
die bei der Umstellung auf zivile Produkte in die Krise kamen.
Dass aber immer noch Raketen gebaut werden, sei kein Geheimnis
mehr, sagten uns die Manager des Maschinenbau-Kombinats, die uns
im Anschluss an einen Musikabend ins Separée eingeladen
hatten. Inzwischen hatte sich das große Unternehmen stabilisiert.
Es entwickeln sich auch mittelständische Betriebe, zwei davon
haben wir besichtigt. Larissa Saizewa, unsere temperamentvolle
Dolmetscherin, war früher die Sekretärin des Bürgermeisters.
Heute ist sie Personalchefin eines modernen, Metall verarbeitenden
Betriebes.
Nein, sie hatten uns nicht vergessen, unsere Freunde: im Gegenteil,
freudig begrüßt wurden wir allerorten. Im noblen Haus
von Slava und Nina war der Tisch für 15 Freunde des Hauses
reich gedeckt. Allein dieser Anblick war schon eine Augenweide.
Die Gastgeberin bot wieder eine Spitzenleistung der russischen
Esskultur. In Tischreden haben sie unseren Besuch gewürdigt,
aber auch bedauert, dass Wilma, Franz, Sigi und Erna nicht mitgekommen
sind. Wenn Russen beisammen sind, wird immer auch gesungen und
getanzt. Larissa Waizel, die Musikerin und Sängerin, die mit
ihrer herrlichen ausgebildeten Stimme meinen 70. Geburtstag bereichert
hatte, trug mit ihren Dankbarkeit ausdrückenden Blicken so
gefühlsbetont einige Lieder vor, dass es uns die Tränen
der Rührung in die Augen trieb. In der Kunstschule wurden
wir mit einem für uns beide arrangierten Konzert überrascht.
Der Bürgermeister gab einen Empfang und überreichte uns
Ehrenurkunden. Wir haben mit Fabrikarbeiterinnen getanzt, waren
mit unseren Langlaufskiern unterwegs auf den Wettkampfloipen und
auf einer Tagestour durch die Taiga. Und wir saßen lange
mit den Lehrerinnen der deutschen Schule Nr. 10 zusammen. Alexandra,
die Direktorin, schilderte uns ihre persönlichen Schicksalsschläge
und wir hörten, dass die Lehrkräfte mit ihrem Einkommen
auf der Schattenseite der bescheidenen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung
stehen. Wir sollen wiederkommen, wenn Schulbetrieb ist, dann gibt
es ein Schülerprogramm für uns. Bei all unseren Treffen
wurde in Erinnerungen gekramt. Boris, der Chef des städtischen
Sportkomitees, erinnerte sich an verschiedene Skilanglaufrennen
mit unserer Teilnahme. Unvergessen bleibt ihm, als ich zur allgemeinen Überraschung
die russische Meisterschaft in meiner Altersklasse gewonnen hatte.
Ludmilla, die quicklebendige Deutschlehrerin, zeigte mir ein Bild
mit uns beiden.
Einige deutsche Skisenioren hatten vor 13 Jahren eine humanitäre
Hilfsaktion in Gang gebracht. Ein Fahrzeugkonvoi der Johanniter
war auf abenteuerlicher Fahrt fünf Tage und Nächte unterwegs.
Mich hätte es sehr gereizt, auf dieser Fahrt dabei zu sein,
doch ich war ausersehen, vor Ort die gerechte Verteilung der Hilfsgüter
zu organisieren. Mit einem kleinen Passagierflugzeug des Kombinats
war ich in Moskau abgeholt worden. Für Ludmilla, die mich
als Dolmetscherin zu begleiten hatte, war es ihr erster Flug – und
es war ihre erste Banane, in die sie hineinbiß, wie das von
ihr sorgsam gehütete Foto zeigt. Zum Abschied hatte uns Larissa
Waizel in ein Café eingeladen, zu einem musikalischen Abschied
für uns beide. Und wieder waren auch viele andere unserer
Freunde dabei. Sie würden sich immer nur dann treffen, wenn
wir zu Besuch kommen. Unsere Besuche lösen also Festtage aus.
Das nimmt uns in die Pflicht.
Ljuba, die Angestellte des Sportkomitees, war auch eine engagierte
Betreuerin für uns. Dima, ihr Sohn, der ein kleines Geschäft
aufgezogen hat, war unser zuverlässiger Taxifahrer in dieser
Zeit. Er war stolz auf sein Auto, das nie im tiefen Schnee stecken
geblieben war. Pünktlich war er am Abreisetag vorgefahren,
sein Auto frisch gewaschen, und Ljuba, seine Mutter, war als Begleiterin
dabei, ausgerüstet mit reichlich Essen und Trinken. Ich habe
ihr Geld zugesteckt, das sie zögernd annahm. Weder sie noch
ihr Sohn hätten Geld von uns verlangt. Dabei ist Geld sehr
knapp bei beiden. Dimas Geschäfte bringen nicht viel ein,
und Ljubas Mann ist Trinker ohne Einkommen. Es ruft Erinnerungen
wach, die Fahrt fünf Stunden lang durch die unendlichen Wälder
des Ural, tief verschneit an diesem Tag. Eindrucksvoll farbenprächtig
sind die Birkenwälder im schrägen Sonnenlicht. Da wollte
ich schon oft aussteigen und mich in den Anblick vertiefen. Aber
es gibt auch andere Eindrücke: ein aufgelassenes Kupferbergwerk
mit der Trostlosigkeit verfallender Industrieanlagen, verlassener
Häuser und hässlicher Abraumhalden, die durch die Schneedecke
nur optisch etwas gemildert wird.
Sie waren da, am vereinbarten Treffpunkt, nie hatten wir daran
gezweifelt: Viktor Ivanovic, Faina und Sascha aus Novouralsk. Einen
Kleinbus mit Fahrer hatten sie gechartert. ES war ein typisch russischer
Empfang mit Umarmen und Küssen. Damit drücken sie echte
Zuneigung aus, ohne Berührungsängste.
Wir mussten essen und trinken, Sekt zur Begrüßung und
dann der rührende Abschied von Ljuba und Dima. Unser schweres
Gepäck war längst verladen, als wir im Kleinbus zusammenrückten
zur Weiterfahrt zur zweiten Partnerstadt. Novouralsk ist noch immer
eine gesperrte Stadt, mit unüberwindlichen Zäunen und
Mauern abgeschottet. Schlagbäume versperren die Einfahrt wie
im Mittelalter, und das zu einer Zeit der stetig wachsenden Mobilität.
Mir schien es nur eine Frage kurzer Zeit zu sein, bis die Schlagbäume
verschwinden. Das sich anbahnende Tauwetter wurde unversehens durch „Frost“ erstickt.
Aus Angst vor Terroranschlägen haben die Sicherheitsexperten
wieder einen eisernen Vorhang für Besucher herabgelassen.
Nicolai, der mir einst den Zugang verschafft hatte, bemühte
sich mit einflussreichen Freunden seit einigen Jahren vergebens
um eine Genehmigung. Sie ernteten sture Ablehnung. So endete auch
ein von mir in Gang gebrachter Schüleraustausch. Zuvor durften
noch 20 Schüler aus Bayern bei Gasteltern in der Stadt wohnen.
Dann kam das unvermittelte Aus.
Nach zwei Stunden erreichten wir die Stadteinfahrt. Am Bahnhof
in Sichtweite des Schlagbaumes stiegen wir aus. Der Fahrer nahm
mit dem Bus und unserem Gepäck den kurzen Weg durch die Stadt
und wollte uns am Ortsausgang zur Weiterfahrt in das uns bekannte
Erholungsheim wieder einsammeln. Wir machten uns mit unseren drei
russischen Freunden zu Fuß auf den Weg, um die Stadt zu umgehen,
stapften durch tiefen Neuschnee. Als wir in den Schneewächten
nicht mehr weiterkamen lenkte uns Sascha, der Fährtensucher,
auf die Bahngleise. Da war Bahnbetrieb. Einem langen, anfahrenden
Güterzug räumten wir an einer Weiche die Vorfahrt ein.
Die Bahnbediensteten waren tolerant genug, uns nicht vom Gleis
zu vertreiben. Wir beide werteten den hinderungsreichen Fußmarsch
als Trainingseinheit, als wir unseren Kleinbus erblickten. Der
war im Schnee stecken geblieben, und wir mussten ihn vereint erst
einmal kräftig anschieben.
Der Seniorchef des Sanatoriums im weißen Mantel begrüßte
uns als alte Bekannte. Wir fühlten uns wie immer im Ural sehr
geborgen, denn wir wussten auch, dass wir nicht allein gelassen
werden. Faina und Sascha hatten Urlaub genommen und versicherten
nicht nur, sondern praktizierten es auch, dass sie immer für
uns da sein werden. Auch wenn wir versicherten, dass wir einige
Tage auch allein zurechtkommen könnten. Wir wollten ja auch
in den Schnee zum Langlauf in die angrenzenden Loipen des Trainingszentrums.
Zu diesem Zweck begleitete uns Galina, eine exzellente und ehrgeizige
Sportlerin. Sie ist auch Triathletin. Im Sommer werden wir sie
zu Gast in Deutschland haben.
Sascha hatte viel zu tun als Taxifahrer. Der Begrüßungsabend
war im Privathaus von Walja und Valera organisiert. Dort hatten
wir vor vier Jahren auch das Millennium gefeiert. Alle Beteiligten
schwelgten noch in Erinnerungen, die einfach hochkommen mussten,
als uns Walja und Valera freudig umarmten. Sie haben ihr Steinhaus
selbst gebaut. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch kommen – es
kommen so selten Besucher aus dem Ausland – ist der Innenausbau
ein Stück weiter gediehen. Diesmal zeigte er uns stolz seine
neue Küche. Seine gütigen Äuglein im runden Gesicht
strahlten Zufriedenheit aus, als er uns vor allem die traditionellen
Pelmänis servierte. Seine Frau Walja drückte ihre Freude über
unseren Besuch sehr lautstark aus.
Auf zwei wichtige Ereignisse hatten wir uns vorzubereiten: eine
Pressekonferenz in Jekaterinenburg und unser Start beim traditionellen
Skilanglauf-Ereignis Europa-Asien über 30 Kilometer. In diesen
Tagen machten wir uns immer noch Sorgen um unseren Freund Nicolai,
der sich von seinem tiefen Husten noch nicht recht erholt hatte.
Wir waren ja bislang verschont von einer Grippe – bis es
mich erwischte. Unhemmbar lief mir das Wasser aus der Nase und
den Augen. Viktor Ivanovic, der die Termine organisiert hatte,
war beunruhigt. Ich wollte ihn nicht enttäuschen und legte
mich frühzeitig ins Bett.
Jutta musste mich beim abendlichen Treffen mit den Lehrerinnen
der Schule und anderen Bekannten entschuldigen. Einige davon kamen
mit ihren Geschenken an mein Bett. Beschenkt wurden wir wie gewohnt
von allen unseren Freunden. „Wo sollen wir das alles hinpacken?“,
haben wir oft gestöhnt. Unsere allmählich geleerte Reisetasche
mit unseren Geschenken hatte sich nun schon wieder gefüllt.
Der lange Schlaf hatte mir gut getan. Ich fühlte mich fit
für den langen Tag.
Wir fuhren nach Jekaterinenburg. Diese Stadt, die Metropole des
Mittelural mit ihren 1,3 Millionen Einwohnern, boomt. Viele neue
Autos, die aber wie bei uns oft im Stau stehen, Parkprobleme, eilig
hastende, gut gekleidete Menschen in der Innenstadt. Eine Besichtigung
durften wir uns nicht ersparen: die Gedenkstätte für
die von den Roten ermordete Zarenfamilie. Vor 14 Jahren war zur
Erinnerung ein schlichtes Holzkreuz aufgestellt worden. Wir standen
nun vor einer mächtigen Kathedrale, die in zweijähriger
Bauzeit errichtet wurde, ein imposantes Bauwerk mit hoch aufragenden
Kuppeln und viel Fläche im Inneren. Es mutet an wie eine pompöse
Wallfahrtsstätte zu Ehren der Zarenfamilie. Die Russen finden
zurück zu ihrer verdrängten Geschichte und Religiosität.
Nach Lenin, der bei unseren ersten Besuchen noch geradezu aufdringlich
präsent war, in gewaltigen Statuen aus Stein gehauen, in Büsten
und Bildern, in allen öffentlichen Gebäuden, haben wir
vergebens Ausschau gehalten. Dieser Lenin, der den kommunistischen
Untertanen als makelloser Heilsbringer, als Gottersatz angepriesen
wurden, gibt es nicht mehr. Er ist verschwunden aus dem öffentlichen
Bewusstsein. Auch in Slatoust hatten wir das schon beobachtet.
Es hat uns überrascht. Noch vor einigen Jahren, als ich vor
seinem Denkmal sinnierte, wann er wohl verschwinden wird, wurde
mir entgegnet, Lenin sei Teil der russischen Geschichte, ihn könne
man nicht einfach auslöschen.
Die Privatbank unseres Skilanglauffreundes Roloff ist eine imposante
Erfolgsgeschichte im neuen Russland. Roloff ist Wirtschaftswissenschaftler.
Er hatte das richtige Gespür für die Neugründung
und Entwicklung der Bank. Schon vor vier Jahren waren wir mächtig
beeindruckt, als er uns durch seine Bank führte. Jutta und
ich waren seine Ehrengäste bei der Jahresschlussfeier für
die leitenden Angestellten. Dabei erklärte sich mir ein Teil
des Erfolgsrezeptes: Hoch qualifizierte Mitarbeiter, meist mit
einer Ausbildung im westlichen Ausland und ein auffallend kooperativer
Führungsstil. Roloff, der Mensch, wie wir ihn kannten, hat
sich nicht verändert. Eher unauffällig bewegte er sich
bei der Führung durch die erweiterten, modern ausgestatteten
Bankräume. Aber seine Ausstrahlung auf die Mitarbeiter war
nicht zu übersehen. Stolz und Genugtuung standen ihm zu, als
er einige Erfolgszahlen nannte: 500 Mitarbeiter hat die Bank, mit
Niederlassungen in einigen anderen Großstädten, in der
Rangliste der russischen Banken auf dem 70. Platz. Auf dem 700.
Platz war die Bank in der Startphase gewesen.
Der Bankier führte uns zur Pressekonferenz in der Bank. Etwa
20 Leute hatten auf uns gewartet, drei Fernsehanstalten waren mit
ihren Kameras anwesend. Unsere Radweltreise löste die meisten
Fragen aus, aber sie wollten auch wissen, warum wir so oft in den
Ural kommen. Schon in den Fragen klang Anerkennung und Bewunderung
mit. Als wir vom Bankchef nach eineinhalb Stunden zum Mittagessen
geleitet wurden, wollten sich einige Journalisten noch nicht zufrieden
geben. Als wir im noblen Bank-eigenen Restaurant beim Nachtisch
angekommen waren, klingelte beim Bankchef das Handy. Ich selbst
und sicher auch seine anwesenden Vorstandskollegen verstanden das
als Abruf zu anderen wichtigen Terminen, so wie ich das ja auch
aus meinem Bankberuf in Erinnerung habe. Aber nein, der Anruf galt
uns: Einige Journalisten und Radioreporter warteten ungeduldig
vor der Tür zu weiteren Interviews. Unsere Teilnahme am populären
Volksskilanglauf, der von unserem Bankchef gesponsert wird, sei
bereits ihm Fernsehen angekündigt. Viktor Ivanovic meinte,
ich sollte wenigstens eine Teilstrecke laufen, wenn ich nicht fit
genug sei.
In rührender Fürsorge haben sie uns am Abend zum Schlafen
in das Privathaus von Valera gefahren. Wir sollten keine Ruhestörung
ertragen müssen, denn im Sanatorium war eine Hochzeit angekündigt.
Wir beide, Jutta und ich, wollten die 30 Kilometer angehen – dann
eben etwas langsamer für mich. Mit einem Allrad-Kleinbus wurden
wir abgeholt. Das hochbeinige Gefährt wühlte sich durch
den Neuschnee am frühen Morgen. Außer dem Fahrer hatten
wir vier Begleiter. Es sollte ein herrlicher Wintertag werden,
mit Sonne und barmherzigen 10 Grad minus. Ich war ja wieder mal
als einer der Allerältesten mittendrin im dichten Pulk der
Rennläufer. Ohne Sturz und Stockbruch habe ich die kritische
Startphase und das Einfädeln in den schmalen Streckenschlauch überwunden.
Jutta hatte sich hinten eingereiht. Sie war etwas vorsichtiger
beim Schutz ihrer Stöcke. Für die freie Technik, das
Skaten, war die gewalzte Loipe nicht breit genug, und die Russen
sind recht ruppig bei ihren Überholmanövern, wie ich
schon öfters erfahren hatte. War es bei aller Anstrengung
auch Genuss? Ja, das Gleiten im Skatingschritt im gut gewalzten
und doch samtweichen Neuschnee und die wechselnden Landschaftseindrücke,
immer wieder von freien Flächen im welligen Gelände in
Waldgebiete, wo der Schnee im gleißenden Sonnenlicht von
den Ästen rieselte. Den ersten Getränkestand erreichten
wir nach 20 Kilometern. Da warteten auch unsere Freunde mit heißem
Tee. Die Schlussphase mit steilen Anstiegen war hart. Da spürte
ich dann doch, dass ich nicht ganz fit war. Im Ziel warteten unsere
Freunde mit Spezialservice auf uns. Ich musste nur in die bereit
gehaltene Wärmekleidung schlüpfen und heißen Tee
trinken. Bald danach kam meine Frau an, und sie wurde noch überschwänglicher
empfangen. Die Rückfahrt im Kleinbus war auch eine russische
Spezialität. Wir saßen zu sechs nicht etwa neben- und
hintereinander, nein, im Viereck, im traulichen Zueinander, in
der Mitte ein Tischchen. Und da haben sie aufgetischt: Brot, Wurst,
Grünzeug, Bier und Wodka. Drei Mal ließen sie den Bus
unterwegs anhalten und kauften Essen und Trinken nach. Reden, Singen,
Essen, Trinken – so erlebten wir die Heimfahrt in Etappen.
Ich war längst wieder munter. Wir beide ließen uns aufheitern.
Sie wollten uns nichts bezahlen lassen, weder für Unterkunft
und Verpflegung, noch für die Fahrten. Wir haben das jedoch
nicht ganz zugelassen, und außerdem wollten wir zum Ausgleich
eine Spende machen. Sascha nannte uns ein Waisenhaus. Er fuhr uns
hinaus in das in idyllischer Landschaft am See gelegene Haus. Dort
wurden wir von den Erzieherinnen erwartet. Die Mädchen und
Buben blieben brav im Hintergrund, aber sie waren alle aufgeregt
und neugierig. Beim Besichtigungsgang nahmen uns kleine Mädchen
und Buben am Finger, den sie fest umklammerten, und zeigten uns
ihre Kammer und ihr Bettchen. Die Versorgung des Hauses durch die
Stadt und das Industriekombinat sei ausreichend, aber für
Sport gebe es kein Geld und keine Unterstützung. Eine junge
Frau stellte sich als Sportlehrerin vor und führte uns vor
die Tür. Da hatten sich zwölf Buben und Mädchen
mit ihrer Langlaufausrüstung zum Spalier aufgestellt: Uralte,
viel zu lange Holzlatten hielten sie in der Hand, und damit pflügten
sie anschließend für uns in einer provisorischen Spur
durch den Wald. Wir übergaben einen Geldbetrag zur Neuausrüstung
mit Skiern. Sascha wird sich darum kümmern. Sie werden trainieren
für einen Wettkampf, wenn wir wiederkommen. Für die Sieger
haben wir einen Gerhard-Krauss-Pokal für die Buben und einen
Jutta-Krauss-Pokal für die Mädchen versprochen. Das soll
auch ein Ansporn für den Sport sein, der auch eine wichtige
therapeutische Maßnahme für die gefährdeten Heranwachsenden
ist.
Zum Abschiedsabend kamen 20 Leute aus der Stadt. Alle kannten
sie uns aus den Vorjahren. Und sie erzählten von unseren Begegnungen
und ihren Deutschland-Besuchen. Da übertrug sich viel Symphatie,
ja auch Liebe, wie sie es selbst immer wieder ausdrückten,
und auch Dankbarkeit auf uns. Sie sangen und tanzten und spielten
für uns mit Hingabe, mit Melancholie, aber auch mit viel Temperament.
Und sie erzählten und erzählten, und viele Tischreden
wurden gehalten. Zum Übersetzen hatten wir eine große
Auswahl, schließlich waren fünf Deutschlehrerinnen in
unserer Mitte. Viktor Ivanovic gab es Episode zum Besten, die viel
Heiterkeit auslöste. Ich hatte im Jahr 1992 eine Einladung
nach Deutschland organisiert, zusammen mit einigen anderen Senioren-Sportlern.
Etwa 30 Leute kamen mit dem Bus, eine andere Reisemöglichkeit
wäre nicht erschwinglich gewesen. Sie waren fünf Tage
und Nächte unterwegs, geschlafen und gegessen haben sie im
Bus. Lange Aufenthalte mussten sie als bewusste Schikane ertragen
an der Grenze zu Weißrussland, das kurz zuvor die nationale
Selbstständigkeit erlangt hatte, und auch, als sie nach Tschechien
einreisten. Und als sich die Grenze zum Wohlstandsparadies Deutschland
näherte, das sich für sie für einige Tage öffnen
sollte, was bisher völlig unerreichbar war, erwarteten sie
ein langes Einreiseprocedere. Sie wussten und hofften, dass ich
sie jenseits des Schlagbaumes in Bayerisch Eisenstein in Empfang
nehmen werde. Zusammen mit einem Freund aus dem nahen Zwiesel hatte
ich vorher mit den Zöllner gesprochen. Sie sicherten uns eine
zügige Abfertigung zu. Viktor erinnerte sich, wie ein Grenzbeamter
auf die geöffnete Bustür zuging, und er großen
Respekt empfand und zaghaft den Namen „Gerhard Krauss“ aussprach. „Ah,
Gerhard Krauss“, antwortete der, und winkte lachend zur Durchfahrt
ohne jegliche Kontrolle. Das war offenbar ein Codewort für
die Einfahrt ins Paradies. Meine russischen Freunde stuften mich
von da an als den einflussreichsten Mann nach Helmut Kohl ein.
Diese Erwartungen musste ich natürlich weit herunterstuften,
sonst wären zu viele unerfüllbare Wünsche auf mich
zugekommen.
Am Abreisetag kamen sie zu viert, Sascha, Faina, Viktor und der
Busfahrer. Vergeblich hatten wir vorgeschlagen, es reiche völlig,
wenn uns der Busfahrer zum Flugplatz brächte. Nein, auf keinen
Fall: Um 2.30 Uhr waren sie mitten in der Nacht aufgestanden, schleppten
uns überschweres Gepäck zum Bus und später zum Einchecken
und blieben bis zuletzt. Nach der Passkontrolle winkten sie uns
noch mal zu mit Tränen in den Augen. Ja, dafür schämen
sie sich auch nicht, das ist die russische Seele.
Feldafing, im Frühling 2005
Jutta und Gerhard Krauss
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