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Bericht 38:
Was geschah danach ?
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Unser Buch, ein „Bestseller“?
Wir waren eher skeptisch, meine Frau und ich, als unser Buch in
einen von Neuerscheinungen überschwemmten Buchmarkt herauskam.
Wer wird unser Buch kaufen? Dabei dachten wir auch daran, dass es
nach unserer Rückkehr von unserer Reise unter großem
Zeitdruck entstanden war.
Nun ist die erste Auflage nach nur sieben Monaten verkauft. Das
hat nicht nur unsere Verleger total überrascht. Uns beide beeindruckt
die Nachfrage nach unseren Reiseerlebnissen sehr. Viel Lob hören
wir, und es gibt Kontakte zu etlichen interessierten Lesern. Unsere
Homepage hat immer noch sehr regen Zuspruch aus aller Welt. Einige
Besucher aus den Reiseländern hatten wir zu Gast, unter anderem
eine junge Bulgarin, die dabei ist, unser Buch für ihre Eltern
in ihre Sprache zu übersetzen. Mit der reizenden jungen Bankangestellten
aus Usbekistan wollen wir gemeinsam Weihnachten feiern. Es wird
ihre erste Auslandsreise sein.
Sind wir nach der Rückkehr in ein Loch gefallen?
Nein, uns empfing ja unser heimeliges Zuhause, sorgsam gehütet
und gepflegt und die Monate danach waren ausgefüllt mit dem
Verarbeiten unserer Erlebnisse, der Arbeit am Buch, der Vorbereitung
der Diavorträge, Buchlesungen, Medienkontakten, Besuchen bei
Freunden und dem Alltag mit all dem, was da anfällt an Schreibtisch,
Haus und Garten.
Wintersport
Die Wintermonate reiften heran, und die passionierten Skilangläufer
warteten ungeduldig auf die ersten Schneeberichte, wir beide natürlich
auch. Doch dann konnten wir den Einladungen zu den Trainingswochen
nicht folgen, da wir an Schreibtisch und Computer gebunden waren.
Als wir dann im neuen Jahr erstmals auf unseren schmalen Brettern
durch den Neuschnee gleiten durften, waren wir richtig glücklich.
Hatte sich wieder ein Traum erfüllt? Der sportliche Ehrgeiz
erwachte. War es ein utopisches Ziel, in Lillehammer bei den Senioren-Weltmeisterschaften
ganz vorne mit dabei sein zu wollen? Auf der anspruchsvollen Olympia-Strecke
kam ich in der Skating-Technik drei Mal als Zweiter meiner Altersklasse
ins Ziel. Hinter dem Russen Akhmed Ciraciev, einem bärenstarken
Tataren, Er war der Einzige, dem ich mich beugen musste in einer
doch noch recht aktiven Wintersaison mit vierzehn Wettkämpfen
Sommersport
Danach hat mich eine Grippe -erstmahls seit 15 Jahren- für
drei Wochen lahm gelegt und ich sah schon meine Ironman- Ziele als
Illusion entschwinden
Die Wochen verstrichen viel zu schnell in den Frühsommer hinein,
zum Fixpunkt 20. Juni. Beim Buffalo Springs Half- Ironman in Lubbock,
Texas wollte ich versuchen, den einen begehrten Startplatz für
Hawaii zu ergattern, im Wettstreit mit den beiden 75-jährigen
Kaliforniern Ken Nash und Loren Leonard, zwei erfahrenen Ironmännern.
Ich hatte gehörigen Respekt vor den beiden. Es gibt keine Wunder
im Sport, schon gar nicht beim Triathlon. Doch ich empfand es so,
als ich von Beifall überschüttet in der Streckenbestzeit
von 6:53 Stunden ins Ziel sprintete. Erstmals in meiner Sportlerkarriere
hatte ich meine eigenen, hochgestellten Erwartungen übertroffen.
Zermürbt von der bergigen Laufstrecke in der Mittagshitze wankten
meine Konkurrenten 35 und 55 Minuten später ins Ziel.
Nur zwei Wochen später war ich wieder am Start, zur Ironman-
Volldistanz beim Challenge in Roth. Meine besorgte Frau machte mir
Vorwürfe: „Das ist doch ein Wahnsinn, nach dieser strapaziösen
Flugreise, mit sieben Stunden Zeitverschiebung und Klimawechsel.“
Weinend verabschiedete sie mich zum Schwimmstart. Da übertrug
sich ein Anflug von Angst auf mich, als ich in der Morgendämmerung
das drohend schwarze Wasser des Kanals vor mir sah. Viel zu kalt
für einen Senior jenseits der 75, für nahezu vier Kilometer.
Ich kam ans Ufer, verschont von Krämpfen, behauptete mich auf
dem Rad gegen starken Wind und das zweite Wunder geschah: Im Laufschritt
bewältigte ich den mörderischen Marathon weitaus schneller
als fünf Jahre zuvor. Nach 14:36 Stunden, einer Zeit, die in
meiner Altersklasse möglicherweise noch nie zuvor erreicht
wurde. An der Hand meiner Frau stürmte ich unter lang anhaltenden
Ovationen von den vollbesetzten Tribünen ins Ziel und nahm
den Beifall als Lohn für die überstandenen Strapazen eines
sehr, sehr langen Tages entgegen.
Die Uhr tickt schon wieder, und der Trainingsdruck wächst.
Der Countdown für den Ironman Hawaii am 16. Oktober 2004 läuft.
Der Gipfel Hawaii, den so viele von den 50.000 weltweiten Ironmännern
in diesem Jahr anstreben, der aber nur 1.500 qualifizierten Sportlern
vorbehalten ist, könnte für mich ein glanzvoller Abschied
vom Wettkampfsport sein.
Was haben wir noch vor?
„Was haben Sie als nächstes vor?“, werden wir
von Journalisten gefragt, nicht:: „Wann hören Sie endlich
auf damit?“
Wir haben noch viel vor. Vorträge, Erlebnisreisen, ein zweites
Buch über meinen Leistungssport im hohen Alter will ich auch
noch schreiben. Sporterlebnisse und- erfolge streben wir natürlich
auch noch an. Es muss ja kein weiterer Ironman sein. Jutta will
sich ihren ersten Triathlon vornehmen und träumt auch schon
mal: wir beide als ambitionierte Teilnehmen bei der Weltmeisterschaft
im Kurztriathlon Sie kann das schaffen, denn sie hat erstaunliche
Fortschritte in der Schwimmtechnik gemacht. Ich wünsch es ihr
umso mehr, da ihre sportlichen Aktivitäten in diesem Jahr durch
eine Meniskusoperation sehr beeinträchtigt waren.
Schon rücken die Termine für den Skilanglauf heran. Eine
längere Russlandreise haben wir vor, mit einem reichhaltigen
Wettkampfprogramm in Moskau und im Ural. Da werde ich meinen starken
Konkurrenten Akhmed wieder treffen, bei den „Masters“
und en russischen Meisterschaften, die ich schon einmal gewonnen
habe. Wir freuen uns aber ganz besonders auf das Wiedersehen mit
vielen anhänglichen Freunden, die unseren Besuch seit langem
erwarten, nach drei verstrichenen Jahren.
Ist das eine ungesunde Hetzerei, angetrieben vom Leistungs-Ehrgeiz?
Es gibt Augenblicke, da empfinden wir beide das auch so. Doch versuchen
wir, uns ein gesundes Wechselspiel zu gönnen: die Natur genießen,
entspannen in den Erholungsphasen und auch mal die Seele baumeln
lassen, um dann wieder energisch all das anzugehen, was wir uns
vorgenommen haben, wie wir meinen mit einem „gesunden“
Stress, den wir dann in Training und Wettkampf entladen.
Wie schnell verstreichen die Tage, Wochen und Monate, vor allem,
wenn es auf ein selbst gesetztes Ziel zugeht. Bei einer Fernreise
ist das ganz anders. Wie beglückt waren wir nach jedem ereignisreichen
Tag, wieder ein winziges Stück weiter auf dem langen Weg, jeder
Tag ein Geschenk. Wir konnten uns voll den Reiseanforderungen und
Erlebnissen hingeben, entlastet von den heimischen Alltagsaufgaben,
vor denen es kein Entrinnen gibt. In Gedanken daran komme ich ins
Träumen. Das darf ich doch, Träumen davon, noch einmal
für eine lange Reise aufs Rad zu steigen, am liebsten noch
einmal ganz herum, oder wenigsten für einige Monate. Noch verweigert
sich meine Frau. Immerhin hat sie jedoch für Südamerika
schon Zustimmung signalisiert.
Wie lange können die das noch machen, werden sich manche Leser
fragen. Das frage ich mich auch, vor allem, wenn ich von den Gebrechen
der Menschen in meinem Alter höre. Da lasse ich mich dann gerne
vom Optimismus meiner Frau anstecken. Wenn Sie, liebe Leser, sich
dafür interessieren, was aus uns beiden geworden ist, besuchen
Sie diese Homepage wieder. Wir werden weiter berichten, was sich
ereignet hat mit uns beiden.
Im August 2004 Gerhard Krauss
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