| Bericht
33:
VON
AFRIKA NACH EUROPA
|
Die Atlas-Berge erstrecken sich bis
hinauf zur Nordspitze Maroccos an der Strasse von Gibraltar.
Eine zerklüftete Bergregion mit tiefen Tal-Einschnitten.
Wir wussten das, auch unsere dürftige Straßenkarte
zeigte es in vielen Windungen an. Wie oft werden wir noch hochklettern
müssen, bevor wir hinabrollen dürfen zum Mittelmeer.
Zunächst jedoch war es eine uns kaum fordernde Genusstour
nach Meknes. Unsere Eindrücke in dieser geschäftigen
Stadt waren eher ernüchternd. Im Drei-Sterne-Hotel empfing
und die steife Atmosphäre, die offenbar untrennbar mit diesen
schon etwas gehobenen Herbergen verbunden ist. Die Gäste
steigen in den Aufzug zu und schauen mit eisiger Miene an Dir
vorbei. Lauter Lärm ist uns ja wirklich zuwider, aber die
Stille der Hotelhalle und der flüsternde Umgangston ist
schon etwas beklemmend. An der Rezeption musste ich mein erprobtes
Ritual der Überzeugungskraft aufwenden, bis wir nach langem
Hin und Her die Räder mit auf das Zimmer nehmen durften.
Störende Töne drangen dann vom Swimmingpool herauf.
Die weltweit globalisierte Jugendmusik mit dem stupiden Wumm
Wumm verkündete mit hoher Lautstärke als Markenzeichen:
Wir sind ein modernes Hotel. Es sollte wieder anders werden,
noch waren wir ja in Marocco. Wir mussten nicht weit hinaus aus
der Stadt und hatten im Morgenlicht wiede4r die schönsten
Stunden vor uns, säumende Eukalyptusbäume, Kakteen
zäunen einige Meter hoch mit vollreifen Früchten. Bestückt,
breite Felder mit Weinreben und reifenden Trauben. Werden wir
eine Chance haben, den maroccanischen Rotwein zu kosten. Es sollte
nicht sein, das Alkoholverbot des Kran hat uns diesen Genuss
vorenthalten. Erzeugnisse der Tabakfelder, die uns eine Weile
begleiteten, konnten wir freilich verzichten. Als Wegzehrung
hatten wir an diesem Tag gelbe Honigmelonen und am Straßenrand
frisch gepressten Orangensaft. Die vollreifen gelben Melonen
leuchteten von den Feldern herüber und sie wurden reichhaltig
angeboten von den Händlern an der Straße. Mit Strohballen
von den Stoppelfeldern hatten sie schattenspendende Verkaufsstände
aufgebaut. Die gelben Strohballen Ton in Ton mit dem kräftigen
Gelb der Melonen waren richtig einlandend. Die Getreidefelder
waren abgeerntet. Gedroschen wird offenbar mit unterschiedlichen
Methoden. Wir sahen eine stationäre Dreschmaschine am Straßenrand
die viel Staub verbreitete. Weiter drüben habe ich gesehen,
wie zwei Esel im Kreis geführt wurden, eine etwas langsamere
Art, die Körner vom Stroh zu trennen. Die Esel gehören
zur Landschaft und werden gebraucht zur Fortbewegung. Frauen
in Tracht saßen drauf mit breitkrempigen Hüten, die
mit bunten Bändern verziert waren. Nicht nur in der Kleidung,
auch vom Aussehen her sind es andere Menschen als drüben
hinter den hohen Pässen an der Sahara, wo es ja nicht weit
nach Algerien ist. Zur Landschaft passen auch die Ziegen und
Schafhirten mit ihren anspruchslosen Reittieren im kargen dürren
Gras. Einige Hirten machten mit der Hand zum Mund ihren Wunsch
nach einer Zigarette kund, den wir aber nicht erfüllen konnten.
Die Kakteenfrüchte wurden uns auch oft angeboten, meist
von Kindern. Die Frucht wird an Ort und Stelle gegessen, der
Anbieter sie auf und du fingerst das Fruchtfleisch heraus. Am
Beginn einer Abfahrt, die uns im weiten Bogen hinunterführte
in eine trockene Region, wollten uns einige Kinder heftig fuchtelnd
zum Anhalten bewegen. Wir erzwangen uns die Durchfahrt, ich hielt
jedoch etwas weiter unten an, um einen Buben zu beobachten, wie
er die Früchte erntet. Da kam auch schon die ganze Horde
der halbstarken Burschen angerannt. Darauf wollten wir es nicht
ankommen lassen und suchten das Weite, denn die könnten übermütig
werden, zumal keine Erwachsenen in der Nähe waren. Ich hatte
von Steine werfenden Kindern gelesen. Ängstliche Leute könnten
daraus den Schluss ziehen, fahre nicht mit dem Rad durch Marocco,
da könntest du gesteinigt werden. . Ein einziges Mal hat
ein Steinchen in meinen Speichen geklimpert, ein Bub hatte es
eher zaghaft herüber geworfen. Das konnte mich nicht irritieren,
Hunderdfach haben uns Kinder freudig gewinkt und uns zugerufen
und sie waren auch nicht aufdringlich bei ihrem Broterwerb, den
sie sicher nicht nur zum Spaß betreiben. Kleine Buben standen
als Händler hinter ihrem Warenangebot, sie ziehen mit Zigarettenschachten
umher und bieten sich als Schuhputzer an. Jutta hat davon einmal
Gebrauch gemacht. Der Junge bearbeitete ihr Radschuhe sehr eifrig,
trug Schuhcreme mit der Zahnbürste auf und wienerte minutenlang.
Ja das wäre eigentlich wieder ein Raderlebnis für zwei Tage gewesen.
Aber wir trafen eben nur auf Melonenhändler und Hirten, s mussten wir halt
weiter. Und hatten erneut harte Stunden vor uns. Wasser, viel Wasser mussten
wir haben für den beginnenden Berg in der Mittagshitze. Geduldig und ergeben
kurbelten wir hoch und weiter bergab und bergan. Es war ja nicht das erste Mal
dass wir ein weites Ziel ansteuerten. Unsere Trinkflaschen waren leer, da tauchte
eine schlichte Verkaufsbude auf in der öden Landschaft. Ein junger gut gekleidete
Mann versorgte uns mit Colas und Wasser und machte keinen unzufriedenen Eindruck.
Wie viel kann er denn hier oben verdienen? Noch 9 Kilometer waren es bis Quarzane
und noch mal hielten wir erschöpft an, um noch mal durchzuschnaufen für
die letzten zwei km die ansteigend vor uns lagen zu dem in die Flanken eines
Berges hinein gebaute Stadt. Es waren nur einzelne Menschen lauf der Straße
zu dieser heißen Tageszeit. Umso herzlicher war jedoch die Begrüßung
und Hilfestellung bei der Hotelsuche, da überzog mich eine wohlige Gänsehaut.
Wieder einmal waren wir angekommen. In dem kleinen bescheidenen Hotel hat die
Mutter für uns gekocht und die Sohne haben auf der Dachterrasse für
uns aufgetragen. Im Abendlicht hatten wir die ansteigenden Hausweserzeilen mit
den schmalen Gassen vor Augen. Nur 75 Kilometer sollten es am nächsten Tag
werden. Da wollten wir es uns leisten, etwas später loszufahren. Wir hatten
eine harmlose Strecke vermutet. Das war ein Täuschung. Vielleicht lag es
auch an der hohen Vortagsbelastung, dass wir uns so plagen mussten. Es war auch
heißer geworden, die Hitze setzt meiner Jutta mehr zu. Ich konnte jedenfalls
immer noch kurbeln, wenn meine Frau mit hoher Pulsbelastung vom Rad musste. Wir
kamen an eine Kreuzung mit einem Abbiegeschild nach Chechauen, unserem Tagesziel.
Da war mir noch nicht bewusst, dass das wieder eine Bergstadt ist, die aber noch
viel höher lag. Es war ein steiles Bergan und ich sorgte mich um meine Jutta.
Sie stöhnte: ”Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr”.
Wir müssen ein Auto anhalten, sagte ich und gemeinsam hielten wir die Hand
heraus und siehe da, wenn die Not am Größten... ein Kleinbus hielt
an. Ich vermutete dass da allenfalls Platz für ein Rad war, der wollte ich
den Helden spielen? Jutta war mit ihrem Rad von helfenden Händen schnell
verstaut und winkte mir zum Zusteigen. Doch ich war schon auf dem Rad und legte
los. Nur 7 Kilometer dachte ich, gleich da oben um die Ecke wird der Berg zu
Ende sein. Er war es nicht, die Serpentinen wollten nicht enden, die Sonne brannte
unbarmherzig auf mich nieder, die Zunge klebte am Gaumen, den letzten Schluck
Wasser hatten wir uns schon weiter unten geteilt. Mein Kopf glühte und bei
einem Puls von 155 musste ich absteigen, bevor die Sternchen vor den Augen tanzen.
Im kleinen Gang fuhr ich weiter, ich war am Limit und musste zurückstecken
Erstmals hatte ich meine Frau nicht in meiner Nähe, ein leichtes Gefühl
des Verlorenseins. Aber ich wusste ja, am Ortseingang wird sie sehnlichst auf
mich warten. Dann hatte ich endlich den Sattel erreicht und konnte ein Stück
abfahren. Da stand sie dann, meine Geliebte, nicht zu übersehen mit heftig
bewegenden Armen. Ein Busfahrer hatte ihr zuvor mein Ankommen gestenreich angekündigt.
Es war nur ein leichter Vorwurf, den sie mir machte, ich hätte noch Platz
im Bus gefunden. Beide waren wir erleichtert. Dann musste ich noch zweimal bergauf
und bergab zu Fuß, das ist mein Job. An einem Kiosk weit oben in der Stadt
habe ich erst mal gesoffen wie ein Gaul, bevor ich mit dem Kiskbwsitzeer zur
Herbergssuche losgezogen bin. Am ersten Haus am Platz war ich schnell wieder
draußen, als mir der arrogant wirkende Oberkellner für unsere Räder
einen Platz auf der offenen Terrasse anbieten wollte. Wieder fanden wir ein kleines
Familienhotel wo wir uns sofort wohl fühlten. Ich war jedoch noch am Abend
in einem schlappen Zustand, wie nach einem überstandenen Ironman-Wettkampf.
Chechauen ist das Juwel einer Bergstadt, wir waren sehr beeindruckt. Die eiskalten
Häuserzeilen steigen steil an in die Hänge der imposant aufragenden
beiden Bergspitzen. Weit oben ist die Altstadt, steile Straßen Gässchen
und Treppen führen hinauf. In engen Kavernen sitzen Händler und Handwerker,
Schneider an der Nähmaschine, Schreinereien auf engstem Raum, alles ist
einsehbar Das ist reales Handwerk, keine Schau. Touristisch ist die Stadt sehr
attraktiv und doch verfälscht der Tourismus nicht das Stadtbild. Es sind
Individual-Touristen und auffallend viele Packpacker, die jungen Leute mit dem
schmalen Geldbeutel. Am Abend wird es lebhaft auf dem malerischen Platz in der
Medina, der Altstadt. Die Gebetsrufe der Muezzine und die nach außen dringenden
Gebete, die in die Moschee drängenden Gläubigen, die am Eingang so
schnell ihre Galoschen abstreifen, die Männer mit den weißen Kaftans
, aber auch in anderen Farben, die älteren mit übergezogenen Kapuzen
als Hitzeschutz, die Frauen in ihren farbigen langen Gewändern, all das
gehört zu diesem Platz . Ich habe das malerische Bild vor Augen, als die
Gläubigen im Abendlicht in ihren prächtigen Gewändern die Freitreppe
von der Moschee herunterkamen. Die Moschee ist das dominante Bauwerk am weiten
Platz. Wir haben vorzüglich gegessen, Couscous, Brochette, Suppen Salate.
Wir wurden s eifrig und freundlich bedient wie selten zuvor und es war so billig,
dass wir das kaum glauben konnten. Dass wir deutsch angesprochen wurden, hat
uns gar nicht mehr viel gewundert. Das sind bleibende Erinnerungen “Wie
werden wir erst von Marocco schwärmen, wenn wir wieder im nüchternen
Europa sind” sagte ich und Jutta nickte sehr zustimmend. Beide hatten wir
uns gut erholt an diesem rastlosen Ruhetag. Im ersten Morgengrauen sind wir aufgebrochen,
zum letzten Tag in diesem Land. Erst kilometerlang in langen Serpentinen hinab
und dann mussten wir wieder hoch, doch die Morgenfrühe half uns dabei und
wir bestaunten die Bergkämme und Dörfer vor uns. Irgendwo nicht weit
voraus mussten wir ja ankommen im immer schmaler werdenden Nordzipfel. Ich dachte
dabei, wird es und denn wirklich vergönnt sein, dass wir ohne größere
Pannen der gesundheitliche Blessuren nachhause kommen? Wir waren in den langen
Abfahrten hinunter auf Meereshöhe und von hinten kam der oft gehörte
Zuruf meiner Jutta “Fahr rechts”
Es war nur ein kleiner schreck, als ich mit der Kamera in der Hand an einer Wurzel
hängen blieb und auf die Straße stürzte und mir mein Knie aufschlug.
Die robuste Kamera hat es überstanden und ich auch. Es wurde europäisch.
Die schnellen Autos der im Ausland arbeitenden Maroccaner mehrten sich und wurden
zunehmend lästiger. Wir waren unten angekommen und hatten die große
Stadt Tetouan vor Augen, deren Altstadt auch in den Berg hineingebaut ist. Wir
waren schon im fließenden Autoverkehr hinauf nach dem spanischen Ceuta.
Zur Rechten hatten wir das Mittelmeer im Blick mit azurblauem Wasser, auffallend
wenig Strandurlauber waren zu sehen. Werden sich die Badegäste drüben
an den spanischen Stränden umso mehr drängeln? Trieb uns die Unruhe
an, ein oder zwei Strandtage hätten wir uns ja leisten können. Wir
waren so früh am Tag dran und so fuhren wir auf die grenze zu. Noch einmal,
ein letztes Mal der Bürokratismus der Grenzkontrolle, dann waren wir im
Euroland, allerdings noch auf afrikanischem Boden. Sehr schnell waren wir drüben,
es war ein Katzensprung nach Europa. Wir wurden mit unseren Rädern auf den
Fußgängersteg eingewiesen. Ein leicht nervöses Zittern vor der
Rolltreppe, ob das gut geht. Es gab keinen Zugang zum offenen Deck. So konnten
wir den berühmten Felsen von Gibraltar nur durch die verschleierte Scheibe
sehen. Als wir noch die äußerste Landspitze Maroccos sahen, legte
die Fähre nach 35 Minuten schon bei im Hafen von Algeciras. Da waren wir
also und hatten wieder eine geistige Herausforderung zu bestehen, ein anderes
Land, eine andere Sprache, Hotelsuche Informationen zur Radstrecke. Wir wollten
ja durch das Landesinnere quer hinauf nach Nordost zum Rhonetal. Auf die Schnellbahn
entlang der Küste wollte meine Jutta auf keinen Fall und es wäre auch
nicht erlaubt gewesen. Als ich im Informationsbüro auf die Straße
nach Ronda zeigte, wiegte der Mann mit dem Kopf und sagte “very mountiones” sehr
bergig, ABER WENIG Verkehr und sehr schön. Na also, viel bergiger als in
Marocco konnte es wohl kaum werden. Ja wir waren in Europa, auch schon in diesem
unteren Zipfel. Bei den Menschen sind uns sofort die Wohlstandsbäuche aufgefallen.
Die Frauen zeigen viel Fleisch, das fiel wieder mal besonders auf, weil wir aus
einem Muslimland kamen. Und dem weltweiten Megag, das junge Frauen Zweiteiler
tragen und rund um die Mittellinie Fleisch zeigen, auch wenn sie schon zu fett
dafür sind, wird auch hier gehuldigt. Und es gehrt wieder nüchtern
geschäftlich zu, viele Läden sind am Nachmittag geschlossen, gegen
acht Uhr abends wird es erst richtig munter auf den Strassen und den Lokalen.
Wir haben nun kein trennendes Meer vor uns auf dem restlichen Nachhauseweg, noch
3.500 Kilomater, was ist das schon. Nach 10 Kilometer am Rand der Schnellstraße
konnten wir abzweigen. Es war angenehm ruhig und wir gelten entspannt dahin,
durch Eukalyptusalleen, wir sahen viele Störche und die Temperaturen waren
noch angenehm. Es war flaches Land zunächst und wir fragten uns schon, wo
die Berge sind. Im Dunst konnten wir nach einer stunde einige Umrisse erkennen.
Doch dann ging es los, wir kamen ja von der Tiefe der Meereshöhe und mussten
hoch. Sehr bergig, wie hoch wird das gehen? Hätten wir vorher die Reliefkarte
zu Gesicht bekommen die wir einige Tage später in die Hand bekamen, wären
wir entweder vorbereitet gewesen oder wir hätten einen Umweg nach Nordwest
gewählt. So sind wir unbekümmert hochgefahren in weit geschwungenen
Kurven, nicht zu steil, aber beständig ansteigend und immer weiter hoch.
Und immer wieder hatten wir gehofft, nach der nächsten Kurve muss es doch
endlich bergab gehen. Nein, die Straße führte immer weiter hinauf.
Und wieder mussten wir deprimiert erkennen, da oben, weit da oben fahren Autos
und wir müssen auch da hinauf. Es waren unendliche Steigungen und dann kam
auch die Hitze dazu, die uns auch da oben erfasste. In diesen ersten Stunden
hatten wir eine hohe Luftfeuchtigkeit, unsere Schaltgriffe waren glitschig geworden,
der Schweiß troff herab. Ich kam eigentlich ganz gut zurecht, drücken
und ziehen, einen runden Tritt mit den Schuhen im Klick. Das hat mir immer die
beste Kraftübertragung am Berg gebracht. Meine Jutta musste öfter vom
Rad bei einer hohen Pulsbelastung und ich machte mir wieder Sorgen um Sie, ich
hielt öfter an. Ich machte mir auch Vorwürfe, aber mit diesen Höhen
hatte ich nicht gerechnet. “Ich kann nicht mehr” stieß sie
keuchend aus und dann entfuhr ihr noch der Nachsatz “Du mit deiner widerlichen
Vitalität”. Das hat mich getroffen. Wir hatten einige kurze Abfahrten
hinab in malerische Bergdörfer, dann führte die Straße erneut
nach oben an den Bergflanken und über Sättel zu den nächsten Bergen.
Als wenn sie uns höhnisch angrinsen wollten die immer neuen noch höheren
Bergrücken um uns zu drohen, ihr seid noch lange nicht zuhause.
Ich sah ein lVerkehrsschild:15km Baustelle, auch das noch. Wir sind dann in dem
kleinen Bergdorf Atajata untergekrochen, fanden in einem kleinen Hotel ein überraschend
schönes Zimmer, das Essen war jedoch spärlich für unsere hungrigen
Mägen. Stunden später entdeckten wir beim Abendbummel einen Tante Emma
Laden und konnten noch einkaufen.
1.520 Höhenmeter hatten sich addiert, wir schliefen gut. Nach Ronda unserem
Zielort waren es 19 km, Doch die hatten es in sich, noch mal 450 Höhenmeter
waren zu bezwingen. Die Berghange fielen zur rechten Seite steil ab, ganz tief
unten konnten wir kleine Dörfer erkennen. Zeitweise zweifelten wir, ob wir
durchkommen zwischen Schotter Baustellfahrzeugen und Baggern. Durch aufwendige
Felsabtragungen, Durchbrüchen und Stützbauwerken wird die Straße
auf das EG-Maß erweitert. Eine für den Durchgangsverkehr völlig
ungeeignete windungsreiche Bergstrasse, die nur den Anliegern in den kleinen
Bergdörfern dient. Für uns ein klassisches Beispiel der Verschwendung
von EG- Fördermitteln. Wir waren ja auch in den Tagen darauf Nutznießer
auf kaum befahrenen aber breit asphaltierten Nebenstraßen.
Ronda ist eine Touristenhochburg. Über die Autobahn kommen die Kurzausflügler
von den Badestränden um Marbella hoch. Die weit ausgelegte Fußgängerzone
war auch am Nachmittag sehr belebt. Die Altstadt begrenzt zum Westen ein steiler
Felsabbruch mit spektakulären Ausblicken in die Tiefe und in die Ferne.
Eine Attraktion ist die Stierkampfarena, sie wurde vor 250 Jahren erbaut. Wie
viele Stiere mussten im Sand verbluten? Wir haben einen Stierkampf im Fernsehen
gesehen und waren uns einig, die Mutproben bei den Rodeos in Amerika bewundern
wir mehr. In den Rodeoarenen bleibt der Stier Sieger, für die Rodeoreiter
zählen die Sekunden auf dem bockenden Stier. In der spanischen Arena hat
der Stier keine Chance. Er wird vorgeführt als plumper Muskelkoloss, der
vergebens das rote Tuch aufspießen will. Bis ihm der elegante Torero gezielt
den Todesstoß versetzt. Unter dem er langsam zusammenbricht. Es war noch
heißer geworden. der Hotelportier erklärte uns, es waren nach einer
Radiodurchsage am Abend um acht Uhr noch 41 Grad Nun war ich zur Abwechslung
der Schwächere von uns beiden. In Algeciras hatte mich die Kaltluft der
Klimaanlage so heftig angeblasen. Ich musste jedenfalls stark husten uns niesen
und fühlte mich schwach. Den Ruhe tag hatte ich bitter nötig.
Aber ich war sehr froh, dass es meiner Jutta wieder besser ging. Wir hatten in
den nächsten Tagen wieder einen ganz anderen Eindruck von Andalusien. Eine
sehr ruhige Nebenstrasse hatten wir uns empfehlen lassen und konnten entspannt
die Landschaft betrachten, zwischen Stoppelfeldern grüne Felder, dazwischen
schwarze Flächen abgebrannten Stroh. In den Sonnenblumenfeldern waren nicht
mehr viel Blüten zu sehen. Die meisten hatten schon ihre Köpfe gesenkt
mit dem Gewicht der reifen Kerne. Die Agrarflächen sind geprägt von
der Trockenheit eines heißen Sommers. Weiter drüben waren die Olivenplantagen
vorherrschend, über weite Strecken Monotonie verbreitend. Wir sind in Cordoba
angekommen. Einige km vorher haben wir uns auf den Randstein im Schatten eines
Hauses gesetzt und unser letztes Wasser getrunken. Bei einem kurzen Ausflug in
die menschenleere lnnenstadt am Sonntagnachmittag fanden wir ein Esslokal. Die
meisten öffnen erst am Abend. 46 Grad zeigte die automatische Temperaturanzeige,
etwas später im Schatten noch 43 Grad. Die Einwohner stöhnen mit uns über
die Hitze. Die Heißluft vom Süden aus Marocco wurde uns gesagt und
diese heiße Luft soll auch unsere heimatlichen Gefilde aufsuchen, hoffentlich
für unsere Freunde etwas abgeschwächt. Wir haben ihn nicht veranlasst,
diesen heißen Gruß in die Heimat.
Herzliche Grüsse aus dem sehr sonnigen Andalusien
Jutta und Gerhard
|