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Bericht 32:
GLÜHEND HEISSES MAROCCO
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"Casablanca: Schau mir in die Augen
Kleines" rief meine Jutta aus, als wir einschwebten am frühen Morgen;
das Häusermeer vor Augen: Sie hatte eine lebhafte Erinnerung an
den legendären Film mit Humphrey Borgart. Es war ein geradezu komfortabler
Direktflug mit der Royal Maroc, unser allerletzter Luftsprung; der
uns herüberbrachte von Montreal in eine wiederum ganz andere Welt
und wir waren erneut voller gespannter Neugier. Es war nur eine
leichte Nervosität; eigentlich mehr Gelassenheit erfahrener Weltenbummler;
das Warten auf unser Gepäck. Die Räder kamen in großen Abständen
über das Gepäckband, zwischen den riesigen Koffern der mitgereisten
Marokkanern, da mussten wir ganz schnell zugreifen: Na also, das
war doch gar nicht aufregend" rief ich meiner Frau zu; als unsere
Räder auch den Bustransfer unbeschadet überstanden hatten und wir
erkannt hatten; dass wir am Rand der Altstadt angekommen waren.
"Schau mir in die Augen Kleines, wir sind in Afrika" Wir durften
aber nicht ins Traumen geraten. Da war niemand der auf uns wartete,
dem wir uns anvertrauen konnten und wir wollten auch nicht eine,
Betrüger auf den Leim gehen, die an solchen Plätzen Ausschau halten
nach unerfahrenen Opfern: Und wir hatten eine Sprachbarriere zu
überwinden; denn hier wird französisch gesprochen und da können
wir gar nicht mithalten. Warum habe ich auch auf das Wörterbuch
verzichtet; Wir mussten aber nicht in Panik geraten. Diese Großstadt;
die ja nur eine Durchgangsstation nach Marrakesh sein sollte war
überraschend freundlich und einladend. Und wie so oft auf unserer
Reise trafen wir auf ehrliche und hilfsbereite Menschen. So hatten
wir bald alle nötigen Auskünfte zusammen, landeten in einem ordentlichen
Mittelklassehotel, stemmten unsere Räder steile Steintreppen hoch
und ich zählte die eingetauschten Dirham, unsere 23. Währung, dann
legten wir uns zwei Stunden nieder bevor wir aufbrachen; die Umgebung
zu erkunden.
Wir ließen uns einfangen und voll in Anspruch nehmen vom urbanen
Treiben der arabischen Welt. Da waren sie wieder; die kleinen Läden;
die unzähligen Straßenverkäufer; die alles Erdenkliche anbieten
Die Straßenküchen und Gewürzstände schickten ihre Duftmischungen
herüber. Gerüche wecken Erinnerungen an die zurückliegenden Monate
in Asien, wir fühlten uns wie zuhause. Mehr noch wurde uns dieses
Gefühl vermittelt durch die offene spontane Freundlichkeit; die
heitere Gelassenheit, was wir in Australien und Amerika so oft vermisst
hatten. Auch die Sprachbarriere war nicht unüberwindlich. Die Marokkaner
sind Sprachtalente, das sollten wir in den nächsten Wochen noch
oft erfahren: Der Zuruf "Alles klar" war noch der einfachste Sympathieausdruck:
Später weit drüben in den Bergen erzählte uns ein Berber; er lerne
Deutsch im Eigenunterricht wegen der Ähnlichkeit mit der Berbersprache,
und nannte uns einige Beispiele der Aussprache. Sehr oft wurden
wir angesprochen auf Englisch und deutsch "Welcome to Marokko mit
Händedruck. Oft haben wir das erfahren wie im Iran: Wer kommt auf
die Idee bei uns, einen Ausländer mit "Willkommen in Deutschland"
zu begrüßen, sagte Jutta; als wir uns über die Gastfreundschaft
der Marokkaner unterhielten. Wir schlenderten durch den Souk, die
Altstadt und wollten so viel wie möglich mitnehmen an Eindrücken:
Marrakesh ist noch viel interessanter war uns gesagt worden und
das war auch unsere Erwartung. Jeder Tag bringt neue Überraschungen,
gottlob meist gute. Ein klimatisierten Bus nahm uns auf, wir hatten
reservierte Sitzplätze; unsere Räder wurden sehr sorgsam verstaut
und das ganz war auch sehr billig. Mit dem Radlerblick schauten
wir aus dem Fenster; wie könnten wir da fahren, gibt es einen Randstreifen.
Nach den grünen Wochen in Nordamerika und Kanada hatten wir wieder
die braune Grundfarbe der trockenen Felder um uns. Die flachen Lehmhäuser
im gleichen Braun und Gelbton, diese Farben werden auch in den nächsten
Wochen vorherrschen um so eindruckvoller dann die überraschend auftauchenden
grünen Oasen: Wir hatten die imposante acht Meter hohe Lehmmauer
und eines der großen Tore zur Altstadt vor Augen, als wir ausgeladen
wurden in Marrakesh. "Das passt ja wieder" entfuhr es mir " und
heiß ist es auch. Doch das durfte uns nicht überraschen. Ein selbsternannter
Fremdenführer wollte uns in ein angesehenes und überteuertes Hotel
lotsen. Nicht mit uns hier musst du selbst suchen, sonst wird es
teurer: Das sind eben die Gepflogenheiten an touristisch attraktiven
Plätzen.
Wir wurden in Altstadtnahe fündig ein komfortables Zimmer mit Klimaanlage
für 35 Euro. Noch wussten wir nicht; dass es die einzige gekühlte
Unterkunft für Wochen sein würde. Der erste Bummel in der Mittagshitze
sollte ein erster Test sein. Das war ja noch erträglich, waren wir
doch hitzeerprobt, braungebrannt von den Sonnen Südostasiens und
Australien. Wir labten uns an frischen Früchten aus einem üppigen
Angebot, das Beste waren die Zuckermelonen. Die marokkanischen Gerichte
mit Couscus und Brouchette schmeckten uns auch. Am Abend wird es
erst richtig interessant im Souk. Jutta zögerte noch. Am nähcsten
Tag haben wir uns eine Pferdekutsche geleistet Der Kutscher war
glücklich, als wir einstiegen: Wie in allen islamischen Ländern
ist auch in Marokko der Tourismus stark zurückgegangen. Die Deutschen
fliegen in die Strandghettos von Agadir wie wir oft hörten. Die
Individualtouristen sind meist Franzosen, sie kommen mehr in den
kühlen Frühjahrsmonaten. Im gemütlichen Trag mit zwei Pferdestärken
umrundeten wir die Altstadt. Der Kutscher erzählte uns einiges von
seine, Kutschbock herab, stoppte zu einem Ausflug in eine nahe Gerberei.
Stechende Verwesungs- und Chemikaliengerüche reizten in unseren
Nasen, sahen die in schwerer Handarbeit schuftenden Arbeiter und
dann wurden wir wie zu erwarten; in die Ausstellungs- und Verkaufsräume
geführt. Meterware Teppiche und Schmuck wurde uns angeboten. Die
aufdringlichen Händler sind ja berüchtigt. Wir hatten es leicht.
Kurz und klar sagten wir, dass wir keinen Platz auf unseren Fahrrädern
haben. Als sie hörten, dass wir kein Auto hatten wurden wir nach
einer ungestörten Besichtigung freundlich verabschiedet.
Der Square, der große Platz in der Altstadt ist der Anziehungspunkt
am Abend: Der Kutscher hatte uns dort in der Nähe ausgeladen. Aus
allen Seitenstraßen strömten die Leute herbei und umringten die
Gaukler und Straßenmusikanten: Zum Essen wird an lange Tische, mitten
auf dem Platz geladen. Wir konnten einem quicklebendigen Mann nicht
widerstehen, der uns im perfekten Deutsch einen Platz angeboten
hatte. Er war fünf Jahre in Deutschland, sagte er und schon war
er wieder weg um andere Kunden zu fischen. Fünf Sprachen spricht
er, hat er uns noch zugerufen. Ich schaute und schaute, weniger
auf das Essen als auf die Menschen: die markanten Gesichter die
Farbenpracht und die Vielfalt der Kleidung, das waren herausfordernde
Fotomotive. Aber sie lassen sich nicht gern fotografieren die Marokkaner
vor allem die Frauen, die lehnen entschieden ab. Im Lauf der Wochen
bin ich noch zu guten, hoffentlich gelungnen Fotos gekommen, mit
Takt, Geduld und Einfühlungsvermögen. Zu Fuß wollten wir durch die
Altstadt zu unserem Hotel Dass man sich im Labyrinth der Altstadt
verirren kann hatten wir schon erfahren, doch ich vertraute auf
meinen Stadtplan, der uns aber kläglich im Stich ließ. Dreißig Minuten
gingen wir durch die Gassen. Stimmt die Richtung noch. Ein befragter
Mann, wies uns in eine andere Richtung Dort gabelten sich die Gassen,
also wo hin. Erstaunt hatte uns; dass die vielen kleinen Läden und
Reparaturbetriebe nicht auf den Fremdenverkehr ausgerichtet waren
Hier leben und wohnen die Menschen die vor fünfzig und hundert Jahren.
An die euzeit erinnern die dreisten Moped und Autofahrer, die sich
durch dass Gewirr der eilenden Menschen ihre Durchfahrt erzwingen.
Dazwischen die Radfahrer, die im Slalomkurs schneller vorankommen
wollen. Ich wurde langsam nervös, längst müssten wir doch n einem
Tor angekommen sein. Meine Jutta drückte ihre Verunsicherung lautstark
aus. Ein hagerer Mann bot uns lächelnd seine Hilfe an. Wir folgten
ihm; kamen aber kaum mehr zum schauen, so schnell eilte er vor uns
her; Das konnte ein Marathonläufer sein, bemerkte ich. Wir hatten
mit dem eilenden Schritt kein Problem, vielmehr verunsicherte uns
die Dauer. doch was konnte uns passieren, solange er uns nicht von
den strömenden Menschen in eine menschenleere kleine Gasse lotst:
Aufmunternd hat er uns immer wieder zugewinkt, wenn er in eine andere
enge Gasse einbog. Mit freudiger Genugtuung zeigte er uns nach einer
Stunde Fußmarsch auf ein uns vom Vortag bekanntes Tor. Wir haben
uns mit Geld bedankt, das hat er verdient und erwartet.
Von hier aus in die Berge bis hinauf auf 2200 Meter, diese Gewalttour
wollten wir uns nicht tun; noch hatten wir die Zeitumstellung und
den Klimawechsel zu verkraften. Es war ein Gebot der Vernunft; wenigstens
ein Teilstück mit dem Bus zu fahren: Meine Jutta setzte sich durch
"Wir fahren bis Qurzazate Unsere spärliche Karte zeigte den Weg
dahin mit vielen Windungen auf; etwa 200 Kilometer. Nach dreißig
Kilometer begann der Berganstieg und uns eröffneten sich grandiose
Ausblicke grüne enge Hochtaler, Oliven und Dattelbäume, zur Hangseite,
bergwärts steil ansteigend Stein und Geröllhalden. Ich sah Felsbrocken
an der Abbruchkante liegen ungesichert. Bei Regen kann da einiges
herunterkommen. Ein kurzer Halt vor dem windungsreichen letzten
Passanstieg. Meine Jutta las es an meinen Augen ab Nein das müssen
wir nicht haben, du kriegst noch genug Pässe zum klettern: Ja; sie
hat ja recht. Und doch war es schade; dass wir nicht wenigstens
die Abfahrt auf unseren Rädern hinunterrollen konnten. Der Bus kroch
zwar auch langsam hoch und bergab, für uns Radfahrer war es dennoch
zu schnell. Das Naturerlebnis auf dem Rad ist doch viel tiefergehend.
In Quarzazate beginnt die Strasse der Kashbas; dreihundertzwanzig
Kilometer bis Er Rachidia; eine Wüstenstrasse am Rand der Sahara.
Die Kashbas wurden von Berberuersten erbaut, es sind trutzige Festungen
aus mit dicken Lehmmauern. Damit kontrollierten sie die alte Karawanenstrasse.
Durch die Wüste: Wir haben viele davon bestaunen können braun in
braun, zur verdörrten Landschaft passend Einmal haben wir in einer
Kasbh genächtigt, wie in einem Verließ hinter dicker Mauer und kleinem
Fenster: Auch die dem Verfall preisgegebenen Kasbahs sind eindrucksvolle
Zeugnisse vergangener Epochen. Die Heißluft der Wüste empfing uns
in Qurzazate. Die Straßen waren wie ausgestorben. In den weinigen
Hotels musste ich das Personal aus dem Nachmittagsschlaf wecken
Wir wählten ein bescheidenes Hotelzimmer mit Klimaanlage. Doch die
versagte total und schickte uns mehr Heißluft herein Wir schmorten
im eigenen Saft und haben schlecht geschlafen, Jutta erklärte ;
sie habe überhaupt nicht geschlafen als wir uns zum Aufbruch rüsteten:
Jutta kochte Kaffe mit unsrem eigenen Kocher, wie sie das meist
tut "Mir geht es nicht gut, habe Steine im Magen, aber hier können
wir nicht bleiben" Meine tapfere Frau, ich machte mir Sorgen. Der
Hotelboy war zu Stelle, als wir im Morgengrauen aufbrachen, Geld
wollte er nicht haben, er staunte uns nur an. die Strasse hinaus
war nicht leicht zu finden. Ein Mann wollte uns in die falsche Richtung
schicken unser Instinkt verhinderte das.
Dann hatten wir sie vor uns, die Wüste, zunächst ansteigend, dann
bretteben, einige dürre stachelige Büschel am Strassenrand nach
allen Seiten hinüber bis zur Dunstgrenze nur Wüste:, Steine , Sand
in Braun und Schwarztönen; Wenn wir nicht gewusst hätten, dass wir
nach 43 Kilometern eine Stadt erreichen, hätten wir umkehren müssen,
so menschenabweisend zeigte sich uns die öde Fläche. Ist es nicht
extrem, dass es im Tal des Tadelflusses Wasser gibt " Da drüben
ist Wasser" rief ich aus und deutete hinüber. Es war keine Fatahmorgana,
es war der hier zum See geweitete Todesfluss. Und dennoch völlige
Dürre um uns herum. Die Hitze war noch erträglich, als wir Skoura
erreichten. Ich war entschlossen, hier eine Unterkunft zu suchen,
auch wenn es noch früh am Tag war, denn ich sorgte mich kaum meine
Frau. Wenn sie selbst sagt; es gehe ihr nicht gut, dann ist es auch
so. Ihr Puls war unter Belastung beängstigend angestiegen, zwanzig
Schläge höher als meiner. Ja, ein Hotel gibt es hier, hörten wir.
Aber wir haben kein Hinweisschild gesehen. Ein Mopedfahrer kam an,
er sei der Hotelbesitzer und der wolle uns vorausfahren. Auf einem
Sandweg sollten wir ihm folgen, nur ein Kilometer wäre das. Aber
bei diesen Streckenangaben sind wir schon misstrauisch. Unsere Räder
versanken schier im Sand und Jutta rief aus "Nein, das machen wir
nicht".
Also weiter. Zwei weiterer Flaschen Wasser bunkerten wir noch, denn
wir mussten sehr viel trinken in der trockenen Heißluft. Tapfer
kämpfte meine Frau öfter mussten wir zum Verschnaufen und trinken
anhalten Ein Sendemast auf einer Anhöhe zeigt meist den höchsten
Punkt in der Umgebung an. Das sollte also die Passhöhe sein, Einige
hundert Dieter waren wir geklettert; als wir keuchend am Sendemast
ankamen. Da stand in dieser menschenleeren Gegend eine junge Frau
mit einem Kind und von hinten kam ein Mann an. Alle winkten uns
einladend zu<. Meine Jutta ist in solchen Situationen immer sehr
misstrauisch. Heute bog sie ohne zu zögern ein. Ihr Gesicht glühte,
beide waren wir erschöpft und brachten Erholung. Wir schoben unsere
Räder durch die Tür und saßen wenig später auf den Teppichen im
Kreis der Familie. Er lebt hier beruflich im Auftrag von Maroc Telecom
mit seiner Familie. Sieben Kinder erzahlte er stolz, packe Erinnerungsfotos
aus, im leidlichen englisch redete er unablässig auf meine Frau
ein Ich nahm das eher amüsiert zur Kenntnis, meiner Frau war das
gar nicht geheuer. Die junge Frau war die älteste Tochter, die Mutter
war offenbar irgendwo zum arbeiten. Links von mir schaute der kleinste
Bub selig zu mir herauf als ich ihm über das Quschelhaar streichte
und lehnte sein Köpfchen schüchtern an meine Schulter. Wir sollten
bleiben zum schlafen, der Hausherr führte uns in die Küche. Einige
Blicke meiner Rau reichten aus, " Nein, wir fahren" Der Rückenwind
half uns weiter auf den verbleibenden fünfzig Kilometern Es wurde
wieder interessanter, wir fuhren in eine Oase hinein, da wächst
Schilf am Strassenrand, Gemüsefelder sind bewässert. Die Häuser
entlang der Straße machen keinen ärmlichen Eindruck, nur wenig Autos
sind zu sehen; das Fahrrad ist das Haupttransportmittel. Im Schatten
sitzen die Leute und winken uns zu, warten sie auf den Bus oder
haben sie nichts weiter zu tun. Wovon leben diese Leute, fragten
wir uns wieder einmal. Es gibt doch kaum Arbeitsplätze in dieser
verlassenen Gegend. Es sind die im Ausland arbeitenden Männer die
Geld nahchause schicken, davon leben ganz Familienverbände, haben
wir später gehört. Die Alten sind in die Familien integriert und
müssen nicht darben Es gibt keine Altenheime und keine Renten. Im
Verlauf der Reise wurden wir aber einige Male von alten Leuten angebettelt,
denen es offenbar nicht gut ging.Und immer wieder nahm uns die einsme
Wüstenlandschqft auf. Es tauchten Hügelkuppen auf , da lagen runde
eliptische Gebilde obenauf, ie von einer Riesenhand im Jux hingelegt..
Wir sind wieder einmal qngekommen, mussten jedoch noch hochkurbeln
zum einzigen Hotel. Das Zimmer war deutlich kühler als am Vortag
und am Abend spielte und tanzte eine Folklorengruppe .Um sieben
Uhr ind wir losgekommen, viel zu spet Schon bald erreichte uns die
Hitze Es war nicht weit zur nächsten Stadt. Du willst weiter, argwöhnte
meine Frau als wir zu einer kurznen Rast anhielten ir mussten wieder
hoch um uns der Oasenstadt auf die Wüstenebene hochzukommen. Doch
jetzt blies uns ein starker Wind an, das kühlte zwar, aber wir mussten
kämpfen. Schqffen wir noch 45 dKilometer Nach einer kurzen Rast
wollten wir wieder aufsteigen, warteten abezr einen von hinten kommenden
LKW ab. Der fuhr nicht vorbei, sondern hielt vor uns an. Zwei männner
kamen heraus , einer klappte die hintere Ladeklappe herunter . Der
schwere Laster awar bis über die Bordkante hinaus mit Zementsäcken
beladen. Da sollen wir hinauf, das geht doch nicht; sagte ich resignierend.
Doch die Beiden hievten all unsere Habe hinauf und wir kletterten
dawzu.. Ich setzte mich rücklings auf einen Zementsack, hielt die
Räder, aber hielt mehr mich selbst an den Rädern fest. Spreizte
die Beine zu einem festen Halt ind der kurvenfahrt: War das mehr
Abenteür als uf dem Rad . Jutta stand um mich zitternd zwischen
den gestapelten Säcken und der Bordwand. Uns donnerte der Wind in
den Ohren Es daürte unerträglich lange bis wir ankamen Im Windschatten
einesn Hauses hielt das Fahrzeug qn Da erfasste mich plöztlich ein
Heisluftschwall, als ob ich an ein offenes Feür gekommen wäre. Die
gefüchtete Heißluft der Sahara. Wir landeten in einer Kasba und
erlebten eine andere Naturgewalt. Ein Gewitersturm brach heein wie
es sicher sehr selten vorkommt. Im heftigen Wind prassezte der Regen
nieder. Am nächsten Tag fuhren wir durch Überschwemmungszonen. Die
nahe touristisch interessante Gorges de Toda war schon an der Einfahrt
von Geröllund Wasser durchzogen Der uns empfohlene Abstecher erübrigte
sich also. Er Rachidia sei eine der heissesten Städte Marokkos ,
war uns gesagt worden, very hot. Haben uns einig Leute gesagt. Von
dort ist ein Abstecher zu den attrqktiven Wanderdünen möglich. Wir
waren nicht sehr erpicht daruf in dieser Jahreszeit; Zwei Tage hlatten
wir uns vorgenommen, Juta fühlte sich wieder besser, ihr Puls war
aber immer noch zu hoch, ein Hinweis auf einen Infekt. Wir hatten
eine euphorische Phase ind den ersten Stundne, fuhren durch zwei
Dorfer wurden gegrüsst und wir winkten und riegfen übermütig zurück.
Die kahle Wüste schreckte uns nicht mehr. Dass es da auch menchlishces
Leben gibt kann ein Radfahrer leichter entdecken Wir sahen jungen
Männer, die auf Mountainbikes hinaus radelten in die Einsamkeit.
Auf der anderen Seite trabte ein Esel mit seinem Herrn in die Dürrre.
Da muss es irgendwo menschlische Behausungen geben in einer Senke.
Mich beeindruckt immer wieder die Entdeckung, unter welch düfrtigen
Bedingungen Menschen der Natur ein Dasein abtrotzen. Da sass ein
Mann an der Strasse in der Sonne ohne Kopfbedeckung/ Vor sich hatte
er einige Melonen und eine Waage aufgebaut. Etwas weiter hinten
stand sein Esel mit gesenktem Kopf. Er schnitt uns eine Melone quf
und ich gab ihm meine letzten Münzen er nickte zufrieden. Wir schqauten
uns um, rundherum war einsame Wüste. Einige Kilometer weiter hatten
wir plötzlich Kamele neben uns und eine Herde schwarzer Schafe Da
war ,nur ein wenig stacheliges Buschwerk Wir stoppten und ich holte
meine Kamera heraus; Ich stand einem jungen Mann gegenüber , etwas
weiter hatte Jutta bei einer verhüllten Frau angehalten. Martialisch
gekleidet war der Wanderhirte, der effektvoll gewundene Turban betonte
die auf mich wirkende eindruckvolle Erscheinung, er hatte ruhige
abezr durchdringende Augen. Zögernd war er qauf mich zugegeangen
und hielt die Hand auf und wiederholte oft ein Wort. Ich hatte aber
nur noch grossse Geldscheine Jutta hatte einen Apfel und eine Orange
herausgeklaubt. Mit einem ungutem Gefühl fuhren wir los. Angst hatten
ir keine, wir wollten den beiden eigentllich mehr geben. Nach 76
Kilometer erreichten wir Goulmima, ein kleines Stadtschen. In einer
bescheidenen Herbege in der Hize schmoren oder weiter in der Hoffnung
qauf ein gekuheltes Zimmer in Errachidia.,Meine Jutta gab wieder
das Zeichen zur Weiterfahrt. Doch wir hatten eine sehr harte Phasz
gewählt. Unbarmherzig brannte uns die Sonne an, of mussten wir vom
Rad, wird das Wassser ausreichen, imme"r wieder mussten wir trinken
der Mund klebte. Jutta klagte nicht, aber sie stöhnte "Ich kann
nicht mehr" Halt an da vorn am Baum. Ein erster schattenspendender
Baum nach 300 Kilometer. Wir setzten uns zur Rast nieder., schauten
voraus auf den nächsten, zwar kurzen, aber brutalen Berganstieg.
Es waren nur noch zwanzig Kilometer als mich wieder ein heisser
Luftschwall traf: Was hqben wir risikiert. Es bliebe noch die Hoffung
auf ein anhaltendes Auto. Wir kamen an ohne Autohilfe, 136 Kilometer
isnd es geworden. Das uns empfohlene neue Hotel bot uns kein klimatisiertes
Zimmmer. Es war unerträglich heiss. Doch wir mussten einen Ruhetag
einlezgen nach diesen Strapazen. Der Hotelinhaber war ja rührend
freundlich, die Hitze konnte er aber nicht lindern. Am Abend erwacht
das Leben in der Stadt Wir sassen an der Strasse zum Essen und beobachteten
die Menschen. Wir hatten den Eindruck, dass alle ihr Festtagsgewand
zum Abendbummel angelegt hatten: Fasciniezrend war die Farbenpracht
ihrer Kleider . Es sind ie untrschieldichen Trachten der Berberstämme.
Auch die Frauen schlenderten in bunter Tracht, mit und ohne Kopfbedeckeung,
einige altere Frauen waren um den Mund verschleiert.
Der nächste Abschnitt soltte uns mit einem Schwenk nach Norden aus
der Wüste herausführen, hinauf ins Atlasgebirge. Schon am ersten
Pass mussten wir oft vom Rad. Ich tröstete uns, wir haben viel Zeit.
Wir fuhren dann in ein Flusstal hinunter zu denOasen der Gorge du
Ziz An einer Brückelehnte ein Mann, wir sahen e ihm an, dieser Mann
hat nichts anderes vor, als hier zu stehen. Er ließ sich gern fotografieren
und lud uns zu sich nachhause ein. Einladungen haben wir einige
bekommen in diesen Tagen. Vor einem impoksanten grossen Gehöft winkte
uns eine Frau heran. Neugierig wie ich bin , wollte ich schon mal
da hineienschcauen.. Doch Jutta trieb an; die Hitze trieb uns n.
Im Berdorf Rich ging es lebhaft zu , die ganze Nacht hörten wir
Stimmengewirr durch das offene Fenster unserer mit sechs Euro biligsten
Unterkunft. Der erste grosse Pass mit 1900 Meter erwartete uns.
Meiner Jutta ging es wieder besser, über kahle Höhen krohen wir
hoch und drüben weieder hinab in eine Hochebene auf 1400 Meter Das
Stadtchen Midelt kreuzen wir in unserem Erinnerungskalender gross
an. An einem Berhang leuchtete das Schild Hotel Bougafer.. Der Hotel
und Restaurantbesitzer entpuppte sich als ausserortenllich aktiver
Mann. Im Retaurant hatte er viele Gäste, ein gutes Zeichen. Seine
Frau kochte für uns So ein gutes Couscous werden wir vielleicht
nier wieder essen, bemerkte ich. Spater haben wir uns noch einige
Male daran erinnert. Midelt ist ein Zentrum für Mineralienabbau
Und unser Hotelbesitzer ist ein Experte, er hat auch eine wertvolle
eigene Sammlung. Er Zeigte uns einen Bildband in deutscher Sprache.
Er freute sich, dqss swir seine Gäste waren Wir werden ihenwiedersehen
in München. In Halle drei dEr Messe unterhält er einen Verkaufsstnd
n den Mineralientagen. Die Strasse nach Azrou ist gut ausgebaut,
sie führt durch die Berge und es ist eine schöne Stadt zum Ausruhen;
ermunterte er uns. Es wurde wierdum eine der hätesten Etappen für
us über 123 km und 1340 Hohenmetern: Die Landschaft war grandios.
Doch wir mussten hoch auf 2178 Meter
Vor uns bauten sich breite Bergrükcen auf, das war abezr noch nicht
der Pass, Die Strasse führte hindurch; Eine Sperrschranke füzr den
Winter kündigte den Pass an Wir hatten Fels zu beiden Seiten dann
wieder grüne Oasen je weiter wir hochkamen. Wohltuend war der kühlende
Wind Die kahlen Hügel waren verschwunden und wir kletterten lins
Grüne. Unter einer mächtigen Zeder ; machtenwir Rast, unglauglich
der Wald hier in der Höhe. Doch wir mussten weiter, kein Meter wurde
uns geschenkt.. Endlich war das Schild zu sehen, 2178 Meter. Nur
mässig fuhren wir in eine Hochtal, hier grasten Rinder und Schafe
, fdazwischen die schwarwzen Jurten der nomadisierenden Bergbauern.
In den Senken hatten sie Wasser und Weideland im sommer . Etwas
weiter teilten wir mit eineem >Hirtenbuben unser Wasser. Als ich
noch mal mit der Kamera auf ihn zuging, hielt er ie Wasserflasche
umklammert aus Angst , ich könnte sie ihm wieder wegnehemen.. Bald
müssten wir da sein;, doch das war ein Irrtum Immer neür Passanstiege
bauten sich vor uns auf und der Wind blies uns heftig ins Gesicht.
Beide mussten wir wieder mal unsere ganze Zahigkeit einsetzen, um
da hinauf zukommen. Noch Zwölf Kilometer, das gibrts doch nicht.
Dannn trauten wir unseren Augen nicht ;, denn vor uns hatten wir
einen Waldteinen richtig dichten Wald auf dieser Höhe; Zedern, Pinien?
Wacholder fichten. Jutta hatte ienen Affen gesehen: Dann erst roltten
wir hinunter, zehn Kilometer durch den dichten Wald nach Azrou.
Die Stadt liegt am Hang, wir kamen gut unter und gönnten uns zwei
Ruhetage.
Morgen wollen wir weiter, es ist nicht mehr weit hinauf zur Küste,
fünf Radtage: Was wird uns in Spanien erwarten. Herzliche Grüße
in die heiße Heimat aus dem heißen Marokko
Jutta und Gerhard
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