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Bericht 20:
Von der Ostküste Thailands zur Westküste Malaysias
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Wir hatten uns entschieden, die Westküste
Malaysias zu erreichen. Da drüben kommen die Monsunregen selten
über die Berge, die sich auf der Halbinsel nach Süden erstrecken.
Phattalung sollte die letzte Station in Thailand sein, dort wollten
wir eigentlich den Zug nehmen, das sollte uns die Großstadt
HatJay ersparen und die Autobahn hinüber nach Alor Setar. Ich
hatte auch befürchtet, dass wir in Zeitnot geraten, da wir etwa
Mitte März in Australien starten wollen.
Immer diese Hetze, aber es treibt uns
eben der nächste Winter an und die in den einzelnen Regionen
zu erwartenden klimatischen Bedingungen.
Gut gelaunt kamen wir in Phattalung
an, es war eine erstaunlich wenig anstrengende Etappe über 110
Kilometer. Das Bahnangebot mit umsteigen und Ankunft bei Nacht behagte
uns nicht und siehe da: Der mutige Vorschlag kam von meiner Frau,
die mich manchmal als Kilometerfresser tadelt „:Wir verzichten
auf die Bahn und strampeln hinüber“ schlug sie vor. Wir
sind hinübergekommen aus eigener Kraft und waren schon ein wenig
stolz darauf, als wir drüben an der Küste ankamen. Das Verkehrsgewirr
HatYai konnte uns nichts anhaben und auf der Autobahn nach der Grenze
preschten wir mit Tempo auf dem nicht für Radler erlaubten Randstreifen.
Vorher kam noch hoher Durst in uns auf, denn wir hatten kein Geld
getauscht und mit der Thai-Währung konnten wir nichts ausrichten.
Malaysia ist anders als das nahe Thailand.
Der Islam ist hier Staatsreligion und wir hören wieder die Gebetsgesänge
der Muezzin. Die Moslemfrauen sind in weiße oder bunte Kopftücher
gehüllt, die Kinder, Buben wie Mädchen tragen auch beim
Sport lange Hosen. Doch Malaysia ist multikulturell, wir sahen oft
mehr Inder als Malaien Alle Religionen werden toleriert: Christen,
Hindus, Buddhisten. In Thailand hatten wir uns and die in leuchtenden
Farben und bizarr verzierten Pagoden gewöhnt und an die in ihre
rostroten Tücher gehüllten Monks. Immer frühmorgens,
wenn die Sonne über den Horizont kamen und außer uns Radlern
noch nicht so viel Menschen unterwegs waren. Es hast uns beeindruckt,
wie sie demütig ihre Schüssel vor sich hertragen um Essen
und Geschenke einzusammeln,
Malaysia ist stärker industrialisiert
als der Nachbarstatt. Ein Indiz für den Lebensstandart ist ja
die Motorisierung und Automobildichte. Die Motorbiker sind hier schon
die armen Teufel, die sich keine klimatisierte Limousine leisten können.
Die praktischen PickUps mit offener Ladefläche, die im Thailand
als höhere Stufe der Motorisierung stark im Kommen sind, gibt
es hier kaum. Es muss eine Limousine nach europäischem oder gar
amerikanischem Maßstab sein. Die uns ernüchternden Erscheinungen
des fortschrittlichen Standards sind unverkennbar. Die Straßenhändler
werden rarer, zum Einkauf bieten sich die Supermärkte und Einkaufszentren
an. Die Supermärkte alle mit der gleichen Sortierung wie in Europa
und den USA. Vorzüglich denaturierte, lang haltbare gut verpackte
Lebensmittel. Auch das Obstangebot ist international: Da liegen leicht
schrumpelnde Kiwis aus Neuseeland , haltbar präparierte Orangen
und die grünen Äpfel wie in allen Supermärkten der
Welt zu jeder Jahreszeit in immer gleicher Grosse, immer gleich glänzend
wie Plastik. Dabei reifen gleich um die Ecke die besten Südfrüchte.
Die mussten wir im Straßenhandel suchen.
Fastfood ist offenbar im Kommen. Die
KFC- Kette aus den USA, mit dem alten Mann mit Spitzbart als Blickfang
hat sich in allen Grosseren Städten eingenistet. Auffallend viele
dicke Menschen sind offenbar auch ein Zeichen de Fortschritts. In
den Internet-Cafes gibt es längst keinen Kaffee mehr, hier in
Malaysia sind sie in den Städten meist zu Computerspielhöllen
geworden. Der Lärm der schweren Kaliber, womit da unentwegt geballert
wird, ist kaum erträglich. Die Leute sind nicht so spontan freundlich
wie in den Nachbarländern, doch wir dürfen uns nicht beklagen.
Wir bekommen immer gute und geduldig vorgetragene Auskünfte.
Hilfreich für uns ist auch, dass hier viele Leute gut englisch
sprechen. Auskünfte haben wir schon deshalb nötig, weil
unsere dürftige Karte für die Nebenstrassen nichts hergeben,
das ist reiner Blindflug .Es gibt auch viel Positives. Wir fanden
gute Unterkünfte auch in kleineren Städten. In Taipingh
hatten sie einen Blick auf die Berge und konnten vom Hotelzimmer aus
einen heftigen Monsunregen niedergehen sehen.
Eben höre ich, dass der Internet-Laden
eigentlich um diese Zeit längst schließen will. Der Inhaber
hat und eine halbe Stunde zugegeben. Das ist doch auch positiv.
Wir machten Halt an indischen Straßenküchen
an entlegenen Orten und waren den Leuten sehr willkommen. Vorherrschend
in der Landschaft sind die Ölpalmen, über weite Landstriche
erstrecken sich die Plantagen. Einmal mussten wir wegen einer Reifenpanne
bei einem Ölbauern einke3hren. Er er4zaehlte uns, dass er nur
drei Hektar hat, der Marktpreis für das Palmöl ist bescheiden.
Wir fuhren auch wieder durch Reisfelder, da grünte schon die
nächste Saat, zwei Wochen vorher hatten wir noch den Bauern bei
der Reisernte zugeschaut. In Thailand hatten wir wenig Neubauten gesehen,
ganz im Gegensatz zu Vietnam, ver4kommene verlassene alte Wohnanlagen,
sowie stecken gebliebene Großbauvorhaben, als sichtbares Zeichen
für Stagnation. Hier in Malaysia sahen wir am Rand einiger Städte
moderne Wohnanlagen mit vielen Ein- und Mehrfamilienhäusern und
langen Ladenzeilen, jedoch unbewohnt, kleine Geisterstädte, Da
wurde offenbar viel Geld in den Sand gesetzt.
Zielstrebig sind wir nach Süden
getourt; es waren viel mehr Kilometer als grob berechnet. Eine als
verkehrsarm erwartete Nebenstrasse erwies sich als Tortur. Auf 100
Kilometer Länge war die Fahrbahn durch eine Dauerbaustelle gefährlich
eingeengt. Jutta schimpfte lauthals und war sichtlich genervt. „Warum
müssen wir und das zumuten, gibt es da keinen Bus“. Wir
kamen ohne Schaden durch und waren nach 140 Kilometern ganz schön
fertig. Die schwüle Hitze beginnt schon um 8 Uhr früh, da
stehen schon die Schweißperlen auf den Armen. Unsere Klimaanlage
ist der Fahrtwind, so ab 20 km/h vermittelt er Kühlung, bis dann
mittags die Heißluft vorherrscht. An den Ampelstopps brennt
die sonne umso unbarmherziger Da rinne die Schweißperlen kitzelnd
über die Backen, Wenn das Salz zu stark in den Augen brennt,
muss ich absteigen. Gestern wurden wir auf den letzten 60 Kilometern
wieder versöhnt Der Himmel war bedeckt und wir rollten locker.
Da konnten wir auch gute Nerven bewahren bei der Zimmer suche. Schließlich
sind wir in einem Zimmer mit Seeblick untergekommen und haben einen
Ruhetag eingelegt, jedoch einen Aktiven, Bericht schreiben, Schwimmen
im Pool und im Meer. Von hier in Port Dicksen sind es noch 300 Kilometer
nach Singapore.
28.2.2003 Jutta und Gerhard
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