|
Bericht 15: Dritter Kurzbericht Seite 1/1
|
Wir sind begeistert von Vietnam. Nach 700 aufregenden
Kilometern sind wir gestern in Hue angekommen. Heute ist unser erster
rastloser Nichtradltag. Wir fahren hier in ständiger Hochspannung,
um uns Menschen, Menschen auf Rädern, Motorbikes, darauf oft
zwei und drei Menschen, Büffel und Rinder auf der Straße,
machmal einfach so, ohne Aufsicht. Wir fuhren durch viele Dörfer
und Städte mit turbulentem urbanen Leben. Die Menschen lassen
sich von den Lastern und Bussen, die sich mit infernalischem Hupen
den Weg freischießen wollen, nicht sonderlich beeindrucken.
Wir müssen oft ausweichen und alle Radler oder was sich sonst
noch langsam vor uns bewegt, überholen. Wir passierten hunderte
Schüler auf Rädern, die in dichten Kolonnen heimstreben
und oft übermütige Kapriolen auf ihren Rädern machen.
Unfälle haben wir gesehen, einen Sarg auf der Strasse, Krankentransport
auf dem Motorbike, ein fast bewusstloser wurde von hinten gehalten.
Jutta hat ihm Homeopathie in den Mund geschoben. Fast hätte
Jutta als Hebamme bei einer Notgeburt geholfen. Suppenküchen
am Straßenrand. Vier Platte in zwei Stunden, zweimal haben
uns Einheimische geflickt, das tückische Corpus Delicti haben
wir schließlich selbst entdeckt. Im engen Baustellenbereich
ist mir zweimal eine Radtasche weggeflogen und ich konnte sie gerade
noch vor anrollenden riesigen Truckreifen retten. Wir bereiten uns
auf die Bergetappen vor, Unterkünfte und Essen sind sehr gut.
Es gibt auch besinnliche Phasen, plötzlich
wenig dicke Brummer, unsere Räder schnurren, ein Schnitt von
21–25, bei wohlmeinendem Wind, Radlergenuss auf glattem Asphalt.
Hunderte Feldarbieter in den Sümpfen zum Reisanbau, Bananen
und Palmen am Straßenrand, auffallend viel neue Häuser
mit Erkern und Türmchen aber auch viele alte Buden. Ausblicke
von den Flussbrücken auf träges, gelbes Wasser, trichterförmig
aufgespannte, riesige Netze, Transport und Fischerkähe wie
zu alten Zeiten. Einen Pass haben wir auch bezwungen, ganz oben
haben wir einem Buben zuckersüße Bananen abgekauft. Die
rollenden Meereswogen haben wir nur kurz gesehen. Der 5. Radtag
mit 150 km war der schönste, erlebnisreichste; aufregend interessant.
Die vielen munteren Zurufe, die lachenden Gesichter haben uns angespornt,
zeitweise Gänsehautgefühle bei uns beiden, eigentlich
schon abgebrühten Weltradlern, Hello, Hello von allen Seiten,
1000 mal;.
Geschlafen haben wir meist in Privathotels,
das sind Neubauten mit gutem Standard. Mit offenen Armen werden
wir von den Familien empfangen. Die Temperaturen sind angenehm hier
weiter unten und das Essen ist gut, viel Nudelsuppe, Gemüse
und Obst.
Von uns beiden gibt es nichts dramatisches
zu berichten. Wir lieben uns immer noch, sind sportlich optimal
gut drauf, mal ist Jutta vorn, mal ich. Kein Streit trübt unsere
gute Stimmung. Wir sollten nur noch mehr Zeit haben. Die Tage sind
so kurz. Meine Gehbeschwerden sind auch reduziert.
Nun haben wir die Bergregieon vor uns,
da gibt es nur kleine Dörfer. Hoffentlich blocken uns nicht
technische Probleme. Haltet uns die Daumen. Herzlichst Jutta Gerhard
|