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Unsere Liebe ist stark. Sie ist eher noch stärker geworden.
Die Harmonie zwischen uns beiden ist ungetrübt. Es gab
keine Meinungsverschiedenheiten, keine Vorwürfe und keinen
Streit. Weil wir uns so gut kennen, sind wir uns über
die notwendigen nächsten Schritte schnell einig geworden,
ohne dass der andere das Gefühl haben musste, nachgegeben
zu haben. Das war nicht immer so. Jutta stellte in den ersten
Wochen wiederholt den Sinn unserer Tour in Frage, wenn wir
uns über viele Stunden plagen mussten. Im Iran hatte
sie mir zwei Mal angekündigt: „In Ashkabath ist
Schluss, ich fliege nach Hause, du kannst alleine weiterfahren.“
Ich erwiderte trotzig: „Das tue ich auch.“ Dabei
ging es uns beiden damals sehr gut, wir waren topfit. Vielleicht
war ich nur an einigen Tagen übermütig zu schnell
gefahren. Als wir Ashkabath erreichten, hat sie nie mehr von
vorzeitiger Rückkehr gesprochen. Ob unserer gemeinsamen
Zuversicht träumte ich schon wieder davon, dass wir in
einigen Monaten wieder im Zweierpack und in alter Stärke
die Kilometer angehen.
Die logistischen Anforderungen
des Rückfluges hatten wir locker bewältigt. Für
den Transfer zum Flugplatz hatte ich der jungen Frau an der
Rezeption eingeschärft, wie wichtig es sei, dass das
Fahrzeug pünktlich sein müsse. Das hat sie sehr
ernst genommen, denn der Fahrzeughalter mit Familie war schon
am Vorabend angekommen, und sie hatten im Hotel genächtigt.
In Moskau hatten wir uns erneut
mit der russischen Bürokratie herumzuschlagen. Unser
Visum war abgelaufen, und wir mussten übernachten. Das
sei kein Problem, wurde uns beim Ticketkauf gesagt: Es werden
Hotelzimmer im Transferbereich angeboten. Beim langen Warten
am Transferschalter erschreckten mich wieder einmal die müden
Augen meiner Frau. Auch das Gelb im Augapfel war nicht zu
übersehen. Ein deutscher Tourist, mit dem wir uns über
Eindrücke in der Mongolei unterhalten hatten, zog mich
beiseite und offenbarte ein sicheres Rezept gegen Hepatitis:
zehn Tage lang täglich hundert Milligramm Eigenurin trinken!
Ein Freund von ihm hätte sich damit schnell selbst geheilt.
Meine Jutta, der ich das Rezept später weitergab, fand
es gar nicht so abwegig, bezweifelte jedoch, ob sie sich dazu
durchringen könnte.
Wir mussten warten, bis alle
anderen Fluggäste abgefertigt waren und sahen uns in
der folgenden Stunde als Opfer der Lustlosigkeit des Servicepersonals.
Es hieß wieder warten, dann ging es zu einem Servicebüro,
in dem uns gesagt wurde, dass doch kein Hotelzimmer frei sei.
Dann wurden wir zu einem Konsul geschickt, weil wir ja keine
Visa hatten. Der interessierte sich zunächst mehr dafür,
was aktuell im laufenden Fernseher zu sehen war. Dann wurden
wir schließlich abgeholt und an eine italienische Reisegruppe
angehängt. Die hatten alle einen Hotelvoucher. Wir beklagten
uns über den hohen Hotelpreis von zunächst 140 Dollar.
Den konnten wir bis zum nächsten Vormittag wenigstens
auf 95 Dollar drücken.
Die Russen demonstrierten die
perfekte Abschirmung und Bewachung von Fluggästen ohne
gültiges Visum. Wir empfanden uns als Gefangene, die
in einem Hochsicherheitstrakt überwacht werden. Wieder
warteten wir lange in einem Nebenraum der Hotelhalle. Dort
wollte ich die Sicherheitsvorkehrungen testen und ging einfach
langsam über die Absperrung hinüber in die Halle.
Sogleich hatte ich den „security man“ neben mir.
Er machte unmissverständliche Handbewegungen, dass ich
umkehren solle. Als ich mich nicht beeindrucken ließ,
war er nahe dran, mich an der Schulter zu fassen und abzuführen.
Er war sich dann aber nicht sicher, wie weit er gehen kann,
und ich wollte ihn nicht länger in Verlegenheit bringen.
Er war fortan unser Begleiter ab der Rezeption, bis wir im
abgesperrten Hoteltrakt hinter verschlossenen Riegeln waren.
Die Aeroflot dagegen können
wir nur loben. Wir hatten einen komfortablen Flug mit gutem
Service zu einem recht passablen Tarif. Am 28. Juli sind wir
angekommen. Unsere Mieterin war mit Tochter da, und zur Freude
meiner Frau auch ihr Sohn mit Schwiegertochter. Wir sind dann
mit zwei Autos nach Hause gefahren worden und haben für
einige Tage den heißen Sommer mitgebracht. Beim Sektempfang
auf unserer Terrasse musste meine Jutta allerdings mit Mineralwasser
anstoßen.
Wie es weitergeht:
Die Tour / Planung / Wir planen den zweiten
Teil (Oktober 2002) 
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