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Bericht 11: „Meine tapfere Frau kämpft gegen die Hepatitis“ – Seite 7/8

Unsere Liebe ist stark. Sie ist eher noch stärker geworden. Die Harmonie zwischen uns beiden ist ungetrübt. Es gab keine Meinungsverschiedenheiten, keine Vorwürfe und keinen Streit. Weil wir uns so gut kennen, sind wir uns über die notwendigen nächsten Schritte schnell einig geworden, ohne dass der andere das Gefühl haben musste, nachgegeben zu haben. Das war nicht immer so. Jutta stellte in den ersten Wochen wiederholt den Sinn unserer Tour in Frage, wenn wir uns über viele Stunden plagen mussten. Im Iran hatte sie mir zwei Mal angekündigt: „In Ashkabath ist Schluss, ich fliege nach Hause, du kannst alleine weiterfahren.“ Ich erwiderte trotzig: „Das tue ich auch.“ Dabei ging es uns beiden damals sehr gut, wir waren topfit. Vielleicht war ich nur an einigen Tagen übermütig zu schnell gefahren. Als wir Ashkabath erreichten, hat sie nie mehr von vorzeitiger Rückkehr gesprochen. Ob unserer gemeinsamen Zuversicht träumte ich schon wieder davon, dass wir in einigen Monaten wieder im Zweierpack und in alter Stärke die Kilometer angehen.
      Die logistischen Anforderungen des Rückfluges hatten wir locker bewältigt. Für den Transfer zum Flugplatz hatte ich der jungen Frau an der Rezeption eingeschärft, wie wichtig es sei, dass das Fahrzeug pünktlich sein müsse. Das hat sie sehr ernst genommen, denn der Fahrzeughalter mit Familie war schon am Vorabend angekommen, und sie hatten im Hotel genächtigt.
      In Moskau hatten wir uns erneut mit der russischen Bürokratie herumzuschlagen. Unser Visum war abgelaufen, und wir mussten übernachten. Das sei kein Problem, wurde uns beim Ticketkauf gesagt: Es werden Hotelzimmer im Transferbereich angeboten. Beim langen Warten am Transferschalter erschreckten mich wieder einmal die müden Augen meiner Frau. Auch das Gelb im Augapfel war nicht zu übersehen. Ein deutscher Tourist, mit dem wir uns über Eindrücke in der Mongolei unterhalten hatten, zog mich beiseite und offenbarte ein sicheres Rezept gegen Hepatitis: zehn Tage lang täglich hundert Milligramm Eigenurin trinken! Ein Freund von ihm hätte sich damit schnell selbst geheilt. Meine Jutta, der ich das Rezept später weitergab, fand es gar nicht so abwegig, bezweifelte jedoch, ob sie sich dazu durchringen könnte.
      Wir mussten warten, bis alle anderen Fluggäste abgefertigt waren und sahen uns in der folgenden Stunde als Opfer der Lustlosigkeit des Servicepersonals. Es hieß wieder warten, dann ging es zu einem Servicebüro, in dem uns gesagt wurde, dass doch kein Hotelzimmer frei sei. Dann wurden wir zu einem Konsul geschickt, weil wir ja keine Visa hatten. Der interessierte sich zunächst mehr dafür, was aktuell im laufenden Fernseher zu sehen war. Dann wurden wir schließlich abgeholt und an eine italienische Reisegruppe angehängt. Die hatten alle einen Hotelvoucher. Wir beklagten uns über den hohen Hotelpreis von zunächst 140 Dollar. Den konnten wir bis zum nächsten Vormittag wenigstens auf 95 Dollar drücken.
      Die Russen demonstrierten die perfekte Abschirmung und Bewachung von Fluggästen ohne gültiges Visum. Wir empfanden uns als Gefangene, die in einem Hochsicherheitstrakt überwacht werden. Wieder warteten wir lange in einem Nebenraum der Hotelhalle. Dort wollte ich die Sicherheitsvorkehrungen testen und ging einfach langsam über die Absperrung hinüber in die Halle. Sogleich hatte ich den „security man“ neben mir. Er machte unmissverständliche Handbewegungen, dass ich umkehren solle. Als ich mich nicht beeindrucken ließ, war er nahe dran, mich an der Schulter zu fassen und abzuführen. Er war sich dann aber nicht sicher, wie weit er gehen kann, und ich wollte ihn nicht länger in Verlegenheit bringen. Er war fortan unser Begleiter ab der Rezeption, bis wir im abgesperrten Hoteltrakt hinter verschlossenen Riegeln waren.
      Die Aeroflot dagegen können wir nur loben. Wir hatten einen komfortablen Flug mit gutem Service zu einem recht passablen Tarif. Am 28. Juli sind wir angekommen. Unsere Mieterin war mit Tochter da, und zur Freude meiner Frau auch ihr Sohn mit Schwiegertochter. Wir sind dann mit zwei Autos nach Hause gefahren worden und haben für einige Tage den heißen Sommer mitgebracht. Beim Sektempfang auf unserer Terrasse musste meine Jutta allerdings mit Mineralwasser anstoßen.

Wie es weitergeht:
Die Tour / Planung / Wir planen den zweiten Teil (Oktober 2002)

 
 
 
 

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