. . . Lästig könnten die vielen
Polizeikontrollen in den fünf zentralasiatischen Staaten werden.
Wir müssen auch mit korrupten Beamten rechnen. Hoch gelobt wird
die Gastfreundschaft im Iran. Zur Gesundheit: Ich vertraue auf
die medizinische Kompetenz meiner Frau, ihre homöopathischen
Kenntnisse, die uns schon bei anderen Reisen geholfen haben.
Eine Auslandskrankenversicherung mit Krankenrückholung im Krisenfall
ist natürlich unerläßlich. Es war nicht einfach, einen Versicherer
hierfür zu finden. Die meisten wollen einen 73-Jährigen nicht
mehr haben.
Die Sprachen: Wir können uns recht
ordentlich auf Englisch verständigen. Ansonsten greifen wir
auf die knapp und simpel gehaltenen Kauderwelsch-Sprachführer
zurück. Darüberhinaus halt mit Händen und Füßen! Andere sind
damit auch durchgekommen.
Sportliche Fitness: Als trainierte
Leistungssportler trauen wir uns das zu. Dabei werden wir nicht
übermütig und wollen unser Leistungsvermögen jeden Tag neu einschätzen
und danach die Ziele bestimmen. Sehr sehr wichtig dabei ist
eine ausreichende Nahrungszufuhr und vor allem Flüssigkeit,
um nicht in die Dehydrierung zu kommen. In den Steppen und Wüsten
werden wir uns mit bis zu acht Liter Wasser für jeden von uns
für eine Tagesetappe versorgen müssen.
Bei den Vorbereitungen sind wir in
diesen letzten Wochen in der heißen, aufregenden Phase. Wie
schön war das noch vor einigen Monaten: in Büchern schmökern,
im Internet nach aktuellen Fernradlerberichten surfen, Landkarten
studieren. Berge von Straßenkarten hatte ich um mich liegen,
so viele, dass ich da erstmal Ordnung hineinbringen musste.
Das muss nun alles verdichtet werden,
all die Informationen, die wichtigen Hotlines, Adressen in komprimierter
Form über die einzelnen Reiseländer. Die Kartenausschnitte versuche
ich auf ein Minimum zu reduzieren, denn sonst müsste ich einige
Pfund Kartenmaterial mitschleppen. Zum Krimi gestaltet sich
die Visa-Beschaffung. Was habe ich telefoniert, geschrieben,
gemailt, gefaxt, seit Monaten. Bürokratie allerorten, aber auch
freundliche Hilfsbereitschaft. Ab dem Iran benötigen wir für
acht aufeinanderfolgende Staaten Visa. Das war auch ein Grund
für den Start nach Osten.
Noch fehlen uns die Visa für Kasachstan
und China, die für den Iran sind uns avisiert. Aber wir werden
das auch noch irgendwie schaffen, auf den letzten Drücker. Das
nervt. Die Ausrüstung: Für die zusammen mit dem Radhaus Starnberg
ausgesuchten Spezialräder sind in den letzten Tagen die wichtigsten
Komponenten eingetroffen. Wir fiebern schon darauf, die neuen
Cabonga Räder der Firma Villiger mit der Rohloff-Nabenschaltung
und den Magura-Bremsen zu testen. Wir wollen uns schon mal beschnuppern,
unsere Räder und die Fahrer. Das sollen ja unsere treuesten
Freunde und Helfer für 20 Monate werden. Wir werden auch schon
mal die Ortlieb-Radtaschen montieren, mit Gewicht natürlich,
um auch hier ein Gefühl zu bekommen. Dann müssen wir jetzt auch
an das Abhaken der Ausrüstungs-Checkliste gehen mit den vielen,
aber notwendigen Kleinigkeiten. Die Fotoausrüstung soll für
die vorgesehene Vermarktung hohen Ansprüchen gerecht werden.
Die Entscheidung hierzu müssen wir in Kürze treffen.
Richtig aufregend für mich sind die
Gedanken an das Schreiben von unterwegs. Aktuelle Berichte für
die Medien, viel mehr aber noch werde ich gefordert mit den
Texten für das Buch, die ich von der Reise zu den Lektoren schicken
soll. Die Zusage des Weltsichtenverlages unserer Freunde Brümmer
und Glöckner ehrt mich sehr und ist eine der großen Herausforderungen
der Reise. Nicht vier oder sechs Wochen, nein, für 20 Monate
planen wir eine Reise. Da gibt es viel zu regeln zuhause. Es
ist wie ein Abschied nehmen, wenn das Auto abgemeldet und Einiges
abbestellt werden muss, was sich erübrigt für eine so lange
Zeit. Die Absprache mit den Vertrauenspersonen und Partnern
daheim, Abschied nehmen von nahen Verwandten und Freunden.
Unerbittlich tickt die Zeituhr, der
Countdown läuft. Der Druck wächst. Werden wir es noch schaffen?
Auf vielen Feldern müssen wir noch zum Abschluss kommen. Auf
das Allerwichtigste müssen wir uns nun konzentrieren. Vier oder
fünf Mal in der Woche laufen oder radeln wir uns den Stress
herunter. Das ist kein bewusstes Training, Der Körper verlangt
einfach sein Recht und signalisiert uns: Lauf' eine Stunde,
und die Nervosität legt sich. Wann endlich steigen wir aufs
Rad? Die Welt mit ihren Menschen in den verschiedensten Kulturkreisen
wollen wir treffen, auf unsere eigene Weise erkunden und erfahren.
Dem Höhepunkt unseres gemeinsamen Lebens streben wir zu. Der
Lauf unseres Schicksals hat längst begonnen und stellt alles
in den Schatten, was wir bislang gemeinsam machten. Wie weit
werden wir kommen? Unversehrt zurück kommen wollen wir. Das
ist das wichtigste Ziel, wir müssen auf uns aufpassen.
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