Hallo nach Afrika,
hier nun die Endversion meines Artikels für das Echo. Er wird
in der nächsten Ausgabe, Anfang August, erscheinen. Ich hoffe,
Sie sind mit allem einverstanden, was ich geschrieben habe.
Ihr Meinung interessiert mich.
Weiterhin gute Reise und viele Grüße aus dem sonnigen Montreal
Maxie
DasEcho
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Mit 128 Jahren um die Welt
Deutsches Ehepaar radelt 23 500 Kilometer durch 28 Länder
„Wenn etwas gut läuft, strebt man nach Neuem”, erzählt mir
der sonnengebräunte Mann mit dem weiß-grauen, etwas zerzausten
Bart gegenüber. Dann mit einem Blick zu seiner Frau fügt er
hinzu: „Und so war es auch nach der von ihr vorgeschlagenen
Radtour durch die USA 1999.“ - „Aber“, unterbricht sie ihn,
„die Weltumrundung, das ist alleine der Traum meines Mannes
gewesen.“ Und während sie das sagt, wirkt Jutta Krauss ein
wenig erschöpft. Dennoch leuchten auch ihre Augen, als sie
gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard Krauss von den Erlebnissen
aus der Türkei, Rußland und Kambodscha erzählt. Das Ehepaar
Krauss, inzwischen 56 und 74 Jahre alt, verließ im Frühjahr
2002 mit zwei vollbepackten Fahrrädern das Zuhause am Starnberger
See in Bayern. Ihr Ziel: einmal den Globus umradeln. Und das
Ende der Fahrt rückt immer näher. Denn schon Anfang Mai diesen
Jahres landeten sie im kanadischen Vancouver und durchquerten
den amerikanischen Kontinent von West nach Ost. Zwei Monate
später kamen sie auch für zehn Tage nach Montreal, bevor sie
weiter über Nordwest-Afrika, Spanien und Frankreich im September
diesen Jahres bis nach Deutschland zurückkehren. Während ihrer
Verschnaufpause in Montreal habe ich mich mit den zwei Weltenbummlern
bei Gerhard Krauss‘ Verwandten in Carignan zu einem Interview
getroffen.
Weltumrundung aus eigener Körperkraft
Trotz ihres ungewöhnlichen Alters, bei Tourstart zusammen
immerhin 128 Jahre, machten sie sich auf, um die Erde mit
ihren verschiedenen Kulturen kennenzulernen und zu erleben.
„Wir wollen damit zeigen, daß auch ältere Menschen Individualreisen
machen können“, so Gerhard Krauss. „Außerdem möchten wir gegen
Vorurteile und Intoleranz antreten, besonders, was terrorismusverdächtige
Länder anbetrifft.“ Und der sportliche Aspekt darf natürlich
auch nicht zu kurz kommen. Seit mehreren Jahrzehnten sind
beide Leistungssportler im Ausdauerbereich Skilanglauf, Marathonlauf
und in den letzten Jahren verstärkt Duathlon und Triathlon
mit großem Höhepunkt, dem Ironman Hawaii. Und aus diesen einfachen
Gründen glauben beide daran, die Welt aus eigener Körperkraft
umrunden zu können. Die bisherigen Erlebnisse belohnen ihren
Mut.
Zufriedenheit ist entscheidend
Inzwischen durchquerten die zwei Radfahrer Osteuropa, Asien
und Australien. Weil Jutta Krauss unverhofft krank wurde,
mußte das Paar seine Fahrt allerdings einmal unterbrechen
und kam für knapp fünf Monate nach Deutschland zurück. Dadurch
änderte sich auch die geplante Reiseroute. Statt durch Südamerika
ging es, wegen der um diese Jahreszeit besseren klimatischen
Bedingungen, über Kanada und die Vereinigten Staaten. „Die
Ausweichstrecke durch den Norden war ein schönes Erlebnis,
das wir nicht erwartet hatten“, erinnert sich Gerhard Krauss
an die letzten Wochen. Der Frühling in Britisch-Kolumbien
und die herrliche Landschaft hatten es den beiden angetan.
Überall trafen sie auf freundliche Menschen, teilweise auch
auf Deutschstämmige, die sich als besonders interessiert zeigten.
Sicher nur ein Grund, warum sie sich heute vorstellen könnten,
auch in Kanada zu leben.
Überhaupt hatten sie auf den bisher insgesamt 19 000 Kilometern
viele eindrückliche Begegnungen und Erlebnisse. Trotz negativer
Vorwarnungen für Länder wie den Iran, fühlten sich die zwei
dort nicht als gefährdet. Ganz im Gegenteil: „Wir hatten manchmal
das Gefühl in islamischen Ländern sicherer zu sein, als in
christlichen.“ Außerdem schenkten ihnen viele Menschen durch
ihr rüstiges Alter besondere Achtung, was sich als ein Vorteil
erwies. Und noch eine andere Beobachtung konnten sie in den
letzten 24 bereisten Ländern machen, wie Gerhard Krauss erzählt:
„Je ärmer die Menschen, umso mehr Zuwendung bekommt man von
ihnen. Die Südostasier haben uns am meisten beeindruckt. Sie
sind so heiter, freundlich und fleißig. Man merkt, das Glück
hängt nicht vom Materiellen ab.“ Das hat sie geprägt. Auf
einmal fallen ihnen Dinge, die sie schon immer gestört haben,
viel deutlicher auf. „Man lernt, daß konsumieren nicht so
wichtig ist, entscheidend ist die Zufriedenheit“, versucht
es Jutta Krauss zu beschreiben.
An Ruhetagen neue Kraft sammeln
Und diese Zufriedenheit scheinen sich die beiden auch angeeignet
zu haben, glücklich darüber, daß bisher alles gut gelaufen
ist und sie alle großen und kleinen gesundheitlichen Probleme
überwinden konnten. Gerhard Krauss empfindet sogar, daß es
ihm auf Reisen besser geht als zu Hause. In dieser positiven
Verfassung fahren sie im Durchschnitt 100 Kilometer pro Tag
bei einem errechneten Tempomittelwert von 19 km/h. Die spezielle
Uhr mit Pulsmesser zeigt ihnen an, wann mal wieder eine Pause
nötig wäre oder ob man bei einem steilen Anstieg nicht doch
lieber absteigen sollte. Denn ein vollbepacktes Fahrrad allein
kann schon gute 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Nach den
Anstrengungen, die eine solche Tagestour demzufolge mit sich
bringt, gönnt sich das seit sieben Jahren verheiratete Paar
für die verdiente Nachtruhe ein einfaches Motelzimmer. Nur
wenn sich gar nichts findet wird das Zelt aufgebaut. Einmal
pro Woche ist auch ein Verschnauftag nötig, um sich zu schonen
und übers Internet den neuesten Reisebericht für die eigene
Internetseite (www.128ontour.com) zu schreiben. Danach geht
es mit neuen Kräften weiter. Die brauchen sie, um die vielen
Gebirge zu überwinden, Wüsten zu durchqueren oder gegen Wind
und Wetter anzutreten. In eine ausweglose, bedrohliche Situation
sind sie dabei glücklicherweise noch nicht geraten, aber Jutta
erinnert sich: „Man durfte nicht darüber nachdenken, wie einsam
man manchmal war.“
Die Zeit fehlt
Doch auch wenn die Weltreise schon bald zu Ende geht, werden
sich Jutta und Gerhard Krauss nicht gemütlich zurücklehnen.
Die beiden haben sich viel vorgenommen. Ein Buch über ihre
Tour soll Anfang nächsten Jahres im Weltsichten-Verlag erscheinen,
danach folgen Diavorträge und natürlich stehen wieder sportliche
Ereignisse an. „Eigentlich fehlt uns die Zeit“, bemerkt Jutta
nachdenklich. „Wir haben noch so viel vor.“
Das Echo wünscht den beiden auf den letzten 4500 km und auch
in Zukunft weiterhin Gesundheit und viele positive Erlebnisse.
Maxie Thielemann |