Den Flughafen erreichten
unbeschadet. Wir hatten genug Zeit bis zum Abflug. Mein Mann
schaute mir fragend in die Augen und erkundigte sich nach meinem
Befinden. „Ich bin erst entspannt, wenn ich im Flieger
sitze“, antwortete ich. Mit gesengtem Blick saß
ich unsere Wartezeit ab. Auch beim Passieren der Kontrollstellen
hob ich nur, wenn es nötig war, meinen Blick, denn ich
wollte nicht, dass jemand meine gelben Augen sah und vielleicht
im letzten Moment den Flug vereitelte. Es verlief alles reibungslos
und ohne Zwischenfälle. Die Maschine hob ab und die Anspannung
fiel von mir. An der Passkontrolle
in Moskau bekamen wir die uns vertraute Umständlichkeit
und Komplizierung der Russen zu spüren. Erst einmal warten
lassen, lautet in Russland die Devise. Fast sah es so aus, als
wenn wir die Nacht im Flughafen auf dem Boden verbringen müssten.
Das Hotel im Flughafen war ausgebucht, und ohne gültiges
Visum durften wir das Flughafengebäude nicht verlassen.
Schließlich schoben sie uns zu einer Pauschal- Reisegruppe,
sechs Italiener, die ebenfalls aus der Mongolei kamen. Sie waren
für eine Woche zum Angeln geflogen. Sie hatten keinen Fisch
erwischt und waren trotzdem ganz fröhlich. Alle zusammen
wurden wir per Bus in ein westliches Nobelhotel gefahren, wo
wir nur durch den Nebeneingang das Hotel betreten durften. Wir
wurden alle wie Strafgefangene behandelt. Diese Behandlung setzte
sich weiter fort. Ein Sicherheitsbeamter brachte uns in einen
Sicherheitstrakt. Kameras überwachten den Trakt. Das Hotelzimmer
durften wir nicht verlassen. Das Essen brachten sie uns aufs
Zimmer. Geschlafen haben wir trotzdem gut.
Telefonisch wurden wir aufgefordert, in einer halben Stunde
abholbereit zu sein. Das Frühstück fiel sehr spartanisch
aus. Eine Frechheit. Der Preis für diese Nacht war dafür
aber saftig. Eben wie in einem Nobelhotel.
Pünktlich um 1155 Uhr landete die Maschine in München.
Mein Sohn, meine Schwiegertochter und eine Bekannte holten uns
vom Flughafen ab. Bei mir rollten die Tränen, als mein
Sohn mich in den Arm nahm. Ich war zu Hause. So, nun konnte
ich gesund werden. |