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Wir konnten es nicht glauben, als wir auf unseren
Fahrtickets die Ankunftszeit lasen. Für 600 Kilometer sollten
wir 26 Stunden benötigen. Womit ließ sich das erklären?
Wir ließen uns überraschen. Die Fahrt verlief in
gleicher Weise wie die letzten beiden. Die vielen Stunden auf
so einer kurzen Strecke ergaben sich durch die häufige
Halte des Zuges auf freier Strecke. Da addierte sich die Zeit.
Kurz vor dem Grenzübergang von
Russland zur Mongolei hielt der Zug für drei Stunden. Jugendliche
hatten sich darauf verlagert, Reisende anzubetteln. Sie machten
sich bemerkbar, indem sie an die Waggons klopften, bis der Reisende
herausschaute. Mit Gesten deuteten sie, dass sie etwas zu essen
haben wollten. Ein Jugendlicher, im Alter von ungefähr
14 oder 15 Jahren, hatte beide Hände verloren, er trommelte
mit beiden Unterarmen gegen den Waggon. Natürlich regte
sich Mitleid in mir. Welche Tätigkeit kann so ein Mensch
noch ausüben, dachte ich. Der ist doch zum lebenslangen
Betteln verurteilt, in Anbetracht der hohen Arbeitslosigkeit
in den russischen Staaten. Wir hatten uns nicht genügend
mit Lebensmitteln versorgt, es blieb nicht viel übrig,
was wir mit den hungernden Jungen teilen konnten. Gerhard warf
ihnen eine Packung süßer Waffeln zu. Sie fielen alle
darüber her. Der, der sie in der Hand hielt, teilte sie
mit den anderen. Und was dann noch übrig blieb, fraßen
die Hunde,. Es war deprimierend zu erleben, wie bescheiden ein
Leben sein kann und muss. Wir waren uns einig, dass wir in Deutschland
alle im Wohlstand leben.
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