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Ich lag weiter hochfiebernd in meinem Bett,
das Fieber hatte die 40 Grad inzwischen überschritten.
Von einer Besserung war nichts zu spüren. Diagnose des
Doktors: totale, körperliche Erschöpfung. Therapievorschlag:
mindestens fünf Tage Nahrungskarenz, mindestens drei
Liter Wasser über den Tag trinken und als Krönung
auch noch abführen mit Glaubersalz; zusätzlich noch
ein homööpathes Mittel mit unterschiedlichen Potenzen,
das ich in bestimmten Zeitabständen einnehmen musste.
Das war milde ausgedrückt eine
Rosskur.
Tapfer habe ich mich dieser Therapie
unterworfen, und ich war fest entschlossen, es durchzuziehen.
Nach dem „Alles-oder-nichts“-Prinzip.
Am vierten Tag nach Behandlungsbeginn
war ich zum ersten Mal fieberfrei. Ich war glücklich
darüber.Am fünften Tag beendete ich die Therapie.
Das Essen musste ich erst wieder lernen. Das einzige, worauf
ich Heißhunger hatte, waren grüne Äpfel. Gerhard
lief durch die halbe Stadt, um grüne Äpfel zu kaufen.
Im übrigen hatte ich mir eine strenge Leberdiät
verordnet. Das ist eine fettfreie, eiweißarme und vitaminreiche
Kost. Im Klartext hieß das: Kein Essen aus dem Restaurant,denn
dort wurde ja immer Fett verwendet. Wir selbst hatten keine
Kochgelegenheit im Zimmer, glücklicherweise brachte Asyia
mir einige Male Pellkartoffel mit gekochten Möhren. Es
schmeckte köstlich. Im übrigen beschränkte
sich meine Nahrung auf Obst, Tomaten, Gurken, Brot und Honig
. Das war gar nicht so einfach in Almaty zu besorgen. Es gibt
zwar grundsätzlich fast alles zu kaufen, nur musste man
wissen, wo. Die Geschäfte sind über die ganze Stadt
verteilt. Einen Stadtkern gibt es nicht.
Nachdem zwei weitere Tage vergangen
waren, fühlte ich mich recht schwach, hatte massiv abgenommen,
brachte nur noch ein Gewicht von 48 Kilo auf die Waage. Aber
ich hatte kein Fieber mehr. Ich kam vom Duschen, beschaute
meinen abgemagerten Körper und stellte entsetzt fest,
dass mein Körper eine leicht gelbe Farbe hatte, auch
die Bindehaut meiner Augen zeigte ein Gelb.
„Ich bin ja gelb“, rief
ich erschrocken aus.
Gerhard ließ sein Magazin fallen,
betrachtete mich prüfend und stellte fest. „Nein,
du bist nicht gelb“. „Bitte? Ich kenn mich schon
etwas länger und weiß genau, wie ich normalerweise
aussehe“, erwiderte ich.
HEPATITIS, immer wieder ging es mir
durch den Kopf. Aus meiner Praxis wusste ich ,das erkrankte
Personen oft stationär behandelt werden mussten. Genau
das wollte ich nicht. Die Behandlung bei dieser Erkrankung
war mir hinlänglich bekannt. Vorsichtig erkundigte sich
Gerhard, ob es nicht besser wäre, ein Krankenhaus aufzusuchen.
Er kannte meine Krankenhausphobie, aber aus seiner Hilflosigkeit
heraus stellte er mir diese Frage. Nein!! Es blieb dabei
Der nächste Gedanke kreiste
um einen Rückflug nach Hause. Aber ich wusste, dass mich
keine Fluggesellschaft mitnehmen würde. Liegen im Hotelbett
war die einzige Möglichkeit, die blieb. Zu dem Gelbsein
gesellte sich noch ein unerträglicher, quälender
Juckreiz am ganzen Körper hinzu, wie tausend Ameisen.
Das ließ mich Tag und Nacht nicht schlafen. Mal juckten
mir die Fußsohlen und im nächsten Moment der Gehörgang.
Es gab keine Stelle an meinem Körper, die nicht von diesem
elenden Juckreiz befallen war. Etwas Linderung verschaffte
mir für eine kurze Weile eine eiskalte Dusche. Das machte
ich nachts so drei bis vier Mal. Mein Körper war übersäht
mit Kratzeffekten.
Fast dreieinhalb Wochen haben wir in Almaty verbracht.
Täglich sagte mein Mann zu mir:
„Schau mir in die Augen, Kleines, und ich weiß,
wie krank du noch bist“. „Diese Erkrankung braucht
Zeit, wir dürfen nicht ungeduldig sein“, entgegnete
ich.
Der Zeitpunkt war gekommen, darüber zu sprechen, wie
es weitergehen soll.
Mutig erklärte ich meinem Mann,
dass wir weitermachen müssten. Nun mussten wir uns überlegen,
welches Fortbewegungsmittel wir nehmen wollen. Die Zeit drängte,
das Datum für das russische Einreise war längst
erreicht und hatte eine Gültigkeit von drei Wochen.
Wir beschlossen, unsere Tour zunächst mit dem Zug fortzusetzen.
Diese Weiterreise hat mein Mann ausführlich geschildert.
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