. . . Am Ende dieser Tagesetappe hatte ich mir einen gewaltigen
Sonnenstich zugezogen. Mein Gesicht glühte, und ich fror erbärmlich.
Dankbar für einen kühlen Raum und ein Bett legte ich mich nach
einer Dusche erst einmal hin. Am Abend wollten wir uns im Restaurant
des Hotels sättigen. Die Bedienung hatte aber außer Wurst und
Eier nichts zu bieten. Der Hunger trieb es hinein. Um Mitternacht
wachte ich auf. Ich war glühend heiß, fror dabei aber sehr.
Mein Puls schlug bis zum Hals. Es war 1 Uhr nachts, um 4 Uhr
wollten wir aufstehen. Als der Wecker anschlug, sah ich mich
außer Stande, aufzustehen. Mir geht es nicht gut", sagte
ich Gerhard, der sich anzog. Aber in diesem Hotel, wo die Kakerlaken
zu Hause waren, wollte ich nicht bleiben. So riß ich mich mit
aller Kraft zusammen, brachte es zu Stande, Gerhard einen Kaffee
und mir einen Tee zu machen. Dazu gab es je eine trockene Scheibe
Brot.
Eine Stunde später als geplant begann
die Fahrt. Es wehte natürlich ein heftiger Wind. Gerhard war
auch nicht ganz fit. Nach 13 Kilometern kam eine Polizeikontrolle.
Die Beamten waren gut gelaunt. Gerhard gelang es, mit ihrer
Hilfe einen Kleinbus zu organisieren, der uns nach Samarkand
brachte. Hier wollten wir uns auskurieren. Auch Samarkand gehört
zu den historischen Städten entlang der Seidenstraße. Der Tourismus
ist hier an der Verhaltsweise der Menschen deutlich spürbar.
Es gibt einen Preisaufschlag für Touristen.
Abseits der Stadt findet morgens von
5 bis 12 Uhr ein kleiner Markt mit Gemüse, Kartoffeln und ein
wenig Obst statt. Frischfleisch wird ohne jede Kühlung angeboten.
Die Händler freuen sich, wenn sie fotografiert werden. Für sie
ist es eine Ehre. Sie sind arm und ehrlich. Haben wir versehentlich
zuviel gezahlt, zählten sie nach und gaben den Restbetrag an
uns zurück. Auch die von uns aufgerundeten Beträge nahmen sie
nicht an. Sie haben eben Charakter. Die vielen Moscheen und
Minarette sind über die ganze Stadt verteilt und die Highlights
für die Touristen. Irgendwie sehen sie doch alle gleich aus.
Selbst für das Fotografieren wird Geld verlangt.
Am frühen Morgen um 5.30 Uhr, als wir
die Stadt verlassen und in Richtung Taschkent fahren, ist heftiges
Treiben auf dem Basar. Da hatten wir Mühe, mit unseren Rädern
auf einer der zum Basar führenden Straßen durchzukommen. Wir
verlassen die Stadt, und es wird ruhiger. Wenig Verkehr, und
wir fahren in Richtung Taschkent.
Unsere Hoffnung, dass in ein paar Tagen
alles überstanden ist, ging nicht in Erfüllung. Inzwischen haben
wir Taschkent erreicht, und das bleierne Gefühl in den Gliedern
will nicht weichen. Bedenklich erscheint mir unsere Durstlosigkeit
und unsere Abneigung gegen Essen. Wir müssen uns regelrecht
zwingen, etwas leicht Verdauliches zu essen. In den Apotheken
bekommt man keine Energiedrinks und kein Vitamin C. Dennoch
hoffen wir, dass sich unser Immunsystem wieder stabilisiert.
In zwei Tagen wollen wir in Kasachstan einreisen. |