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Im Iran Teil 2

. . . Zunächst wollten sie im Hotel nur Rial nehmen, später ließen sie sich aber auf Dollarbezahlung ein. Nachdem wir uns im Zimmer einquartiert hatten, ging Gerhard gleich ins Bett und schlief sofort ein. Ich beschäftigte mich mit der Reinigung der Taschen und der Wäsche. Wir hatten heftigen Hunger und wollten uns am Abend verwöhnen lassen. Aber es war nur ein Gericht im Angebot: Man muss essen, was vorhanden ist. Auch diesmal gab es die gleiche Gerstensuppe mit und ohne Tomatenmark. Gängiges Besteck sind Löffel und Gabel, Messer gibt es selten. Der Löffel ersetzt das Messer. Es gab "chicken kebap", das ist Hähnchenfleisch am Spieß, dazu eine Unmenge Reis mit zehn Gramm Butter. Gerhard hat Probleme mit dem Reis. Er hat wohl keine ausreichende Speichelbildung, denn er kaut unendlich lange. Zu Trinken gibt es nur süße Limonade oder Coca-Cola. Mineralwasser ist eine Rarität.
     Nach einer erholsamen Nacht und einem dürftigen Frühstück starteten wir bei Sonnenschein in den Tag. Die Bergketten links und rechts sind leicht grün, die Vegetation ist noch spärlich und vom Frühling wenig zu sehen. Das ist verständlich, wir bewegen uns meistens auf einer Höhe von 1.300 bis 1.700 Höhenmetern. Seit wir den Iran betreten haben, haben wir oft Seiten- oder Gegenwind. Vom Hotel aus ging es gleich scharf ansteigend 220 Höhenmeter über drei Kilometer hoch. Da rebellierten die noch nicht warmen Muskeln sehr. Der Puls ging auf 143 Schläge hoch. Auf der Hälfte der Strecke stiegen wir vom Rad, schnauften aus und warteten, dass sich der Puls wieder beruhigte. Das Tagesziel war Tabriz. Wie ich feststellte, gab es keinen Netzanschluss für ausländische Handys. Es gibt nur einen Netzanbieter, und der ist wohl staatlich. Es ist schwierig, Kontakt nach Deutschland zu bekommen. An das Hupen mit und ohne Grund haben wir uns inzwischen relativ gewöhnt. Immer so tun, als ob wir nicht gemeint wären, ist die Devise.
     Wir erreichten unser Ziel Tabriz am frühen Nachmittag. Wir wohnten ca. fünf Kilometer vor dem Zentrum. Gerhard arrangierte wieder die Unterkunft, während ich bei den Rädern wartete. Unweit von mir saß eine Gruppe von Frauen im klassischen schwarzen Einheitsgewand. Sie sahen teils empört, teils neugierig zu mir herüber. Ich war in Fahrradhelm, gelber Jacke und beiger Hose - sehr ungewohnt für die Frauen hier. Am Abend suchten wir uns ein Esslokal. Unterwegs sprachen spontan mehrere junge Männer Gerhard an. "Hallo, do you speak English? Wie geht's? Wo kommst du her?" und so weiter. Gerhard war brennend interessiert an Informationen über das Land, was die Jungen über die Regierung und die Stimmung denken. Ich gehe in Landessitte hinterher, wie es sich gehört. Ich werde angestarrt, als wenn ich von einem anderen Stern käme. Leider fanden wir kein passendes Esslokal. Es scheint hier nicht üblich zu sein, dass man abends zum Essen geht. Wir kehrten zum Hotel zurück. Auf dem Rückweg sprach uns erneut ein Student an. Er sprach ein unsauberes Englisch mit reichlichem Wortschatz. Letzten Endes verabredeten wir uns für den folgenden Tag für 14 Uhr. Er bot sich an, uns die Stadt zu zeigen. Das Frühstück am Morgen ist nicht der Hit und lässt eine Gewichtszunahme nicht zu. Inzwischen ist mein Gewicht so weit reduziert, dass ich Konfektionsgröße 36 tragen kann. Wieder bekamen wir das Brot aus Wasser, Mehl und Salz, dazu fünf Gramm Butter, zehn Gramm Marmelade, zehn Gramm Schafskäse und Tee. Davon soll ein Mensch leben. Pünktlich um 14 Uhr kam unser Student und holte uns ab. Wir fuhren mit dem Taxi zur blauen Moschee. Unterwegs nahmen wir noch zwei weitere Fahrgäste mit, es war sozusagen ein Sammeltaxi. Dadurch wird es billiger. Außer dem Fahrer saßen fünf Personen im Wagen. Das Fahren sowie das Queren einer Straße ist ein waghalsiges Unternehmen. Es gibt nur wenige Ampeln, die niemand beachtet. Ob grün oder rot, es wird immer gefahren. Es gibt überhaupt keine Verkehrsregeln. Am laufenden Band wird gehupt. Ich habe mir während der Taxifahrt mehrmals die Augen und die Ohren zugehalten. Ich dachte, jetzt kommt ein Crash. Es wird kreuz und quer gefahren und erinnert mich an einen Autoscooter auf der Kirmes. Unser Führer sagte: "Don't worry." Der Taxifahrer amüsierte sich, wenn ich mir die Augen zuhielt. Als Fußgänger eilt man im Zickzackkurs über die Straße und hofft darauf, dass die Autos ihr Tempo verringern oder kurz halten. Trotz des hohen Verkehrsaufkommens gibt es keinerlei Stau.
     Die blaue Moschee besteht nur noch aus Fragmenten. Nach einem Erdbeben vor etwa hundert Jahren wurde sie größtenteils zerstört und wird fortwährend restauriert. Die Kosten für die Restauration erbringen zum Teil die Eintrittsgelder der Touristen. Der Eintritt beträgt sechs Dollar pro Person.
     Orkan, unser Student, ging mit uns in ein landestypisches Lokal. Das Essen wurde auf dem Boden, also auf dem Teppich, serviert. Man sitzt in runden Nischen, auf dem Boden liegen Perserteppiche. Für das Essen wird eine Plastikdecke ausgebreitet, auf der serviert wird. Gerhard tat sich mit dem Schneidersitz schwer. Das muss noch geübt werden. Er saß mit gestreckten Beinen total verkrampft. Obwohl ich den Schneidersitz kaum kann, wollte ich nicht ins Fettnäpfchen treten und setzte mich seitlich. Ich konnte schlecht fragen: "Wie setzt sich denn eine Frau anständig hin?" Es gab Reis als Hauptgericht, gegrillten Fisch als Beilage. Eine Portion reichte eigentlich für uns beide. Hier werden Unmengen von Reis verzehrt.      Im Anschluss führte uns Orkan über die verschiedenen Basare. An den Schaufenstern für Damenkleider standen viele Frauen. Die Kleider waren im westlichen Stil, überwiegend schwarz mit Pailettenstickerei für festliche Anlässe. Wozu die Kleidung, wenn die Frauen doch nur ihr knöchellanges Gewand mit dazu passendem Kopftuch und Schleier tragen? Das ist doch schizophren, denke ich. Die Frage, warum die Frauen alle in schwarz gehen, beantwortet Orkan damit, dass es ihre freie Entscheidung sei. Sie könnten auch farbige Gewänder wählen.
     Wir wandern weiter durch Schuhpassagen, vorbei an Pflanzenheilmitteln, wo Rosenblätter, Pfefferminze, Kamille und noch viele andere Pflanzen, die mir nicht bekannt sind, angeboten werden. In der Auslage des Metzgers hängen halbe Lämmer, Innereien, Vorderhufe von Rindern und Hühner. Neben seiner Ware sitzt der Verkäufer halb dösend und wartet auf Kunden. Von Kühlung keine Spur. Einladend sieht das nicht aus. Wir gehen durch eine Passage mit Goldschmuck und eine mit Wandteppichen, die wie Gemälde wirken, mit unterschiedlichen Motiven wie Herbst, junge moderne Frau, eine alte Frau mit einem faltenreichen Gesicht und Händen. Sie sind so naturgetreu, als ob es ein Foto wäre.
     Während wir durch die Stadt schlendern, starren mich Männer, Frauen und Kinder an. Ich kann in ihren Gesichtern ganz unterschiedliche Stimmungen lesen. Das reicht von empört und ungläubig bis zu bewundernd. Manchmal dachte ich, gleich gehen sie auf mich los und killen mich. Ganz geheuer war mir diese Situation nicht. Wenn bei uns eine Frau vermummt herumläuft, schauen wir ja auch verwundert. Jetzt erlebe ich die Situation einmal umgekehrt. Mein Mann hat es da wieder einmal einfacher. Er kann frei entscheiden, welche Kleidung er wählt. . . .

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