. . . Schließlich erreichten wir den Grenzübergang. Die Grenzabfertigung
war von iranischer Seite ohne Probleme, dann folgte die turkmenische
Einreise. Die war, so wie wir es kannten, mit etwas Warten auf
die Abfertigung verbunden, aber noch ganz moderat. Von 1.238
Höhenmetern fuhren wir mit 40 Stundenkilometern abwärts. Es
waren noch 35 Kilometer bis zur Stadt Ashkabath. Doch es kam
noch einmal ein Pass von 120 Höhenmetern. Wir waren beide total
fertig. Die Trinkflaschen waren leer, der Proviant verzehrt.
Wir bissen die Zähne zusammen und schafften es. Dann ging es
bis zur Stadt wirklich nur noch abwärts.
Hier war kein Hupkonzert mehr, die
Straßen waren sauber gefegt. Den ersten Eindruck habe ich als
wohltuend empfunden. Dann folgte die Ernüchterung: Die Stadt
wirkte steril wie aus der Retorte. Überall Prunkbauten, an jeder
Ecke hingen Gemälde des Präsidenten von Turkmenistan in allen
nur denkbaren Posen. Alle hundert Meter stand ein Polizist -
das ist nicht übertrieben! Die heutige Fahrt war eine Königsetappe,
und wir waren fix und fertig. Wir leisteten uns eine gute Unterkunft.
Endlich konnten wir nach wochenlangem Reis wieder einmal Spaghetti
essen und dazu das erste Bier nach zwei Monaten! Es war ein
Festival des Gaumens.
Wir hatten uns zur Ruhe begeben, da
jammerte Gerhard über unerträgliche Muskelkrämpfe, die nicht
nachließen. Rasch steckte ich ihm eine doppelte Dosis Magnesiumtabletten
und Mineral in den Mund. Mir wurde ganz bange um Gerhard. Wir
hatten die Magnesiumeinnahme in den letzten Wochen vernachlässigt.
Er leidet sowieso an einem drohenden Magnesiummangel. Gegen
starke Muskelkrämpfe bekam er noch zusätzlich ein homöopathisches
Mittel. Nach einer halben Stunde ließen die Krämpfe nach. Die
Sorge um meinen Mann ließ mich lange nicht Einschlafen. Immer
wieder kontrollierte ich seine Atmung und schlief schließlich
irgendwann nach 1 Uhr auch ein. Am Morgen waren die Beschwerden
vorbei. Das ist heute unser erster Tag in Turkmenistan. |