zurück zum Eingang
die Herauforderung; aktuelle Position; Planung
aktuelle Reiseberichte und Berichte früherer Touren und Wettkämpfe
Ausrüstung; Freunde und Partner
Stimmen aus der Presse
Wie es uns geht; was der Arzt sagt
Persönliches
Schreiben Sie uns!
unsere Hompepage im Überblick
zurück zur 128ontour-Homepage Schreiben Sie uns! zu Favoriten hinzufügen

Seite 1 2 3
zurück zur Übersicht

Ironman auf Hawai als ältester Europäer, 1999
Schwimmen

Hawaii, der absolute Triathlon-Gipfel, das Traumziel vieler Triathlon-Sportler. Wenn du dich qualifiziert hast, musst du da hin, wurde mir gesagt. Da bin ich also, nach langer Reise um den halben Globus und schaue von der Terrasse unseres Appartments über die heranrollende Brandung hinüber zu einer roten Boje, die imponierend weit draußen den Wendepunkt der Schwimmstrecke markiert.
     Jeden Tag war ich um sieben Uhr beim Schwimmtraining, einmal habe ich mir vor dem Frühstück die gesamte Strecke von vier Kilometern vorgenommen und bin ziemlich kaputt zurück gekommen. Ziemlich unbekümmert habe ich mit meiner Frau in der ersten Woche trainiert und habe auch die Zeitumstellung überraschend gut geschafft. Wir fühlen uns wohl im Südseeklima, saßen abends lange auf der Terrasse und flanierten auf dem Alii Drive. Die Tage vor dem Race Day machten mich jedoch zunehmend nervöser. Sorge bereitete mir die linke Ferse. Die stechenden, wenn auch noch erträglichen Schmerzen beim Aufprall hatte ich seit einigen Wochen. Überraschend stark besetzt ist meine Altersklasse. Ich habe neun Konkurrenten. Alle haben sie Hawaii-Erfahrung. Als ich noch von einigen erfuhr, dass sie wie selbstverständlich über Monate bis zu 28 Stunden in der Woche trainieren, dachte ich nur ans Überleben. Einfach durchkommen in der Sollzeit. Einigen Respekt nötigte mir auch die Schwimmstrecke ab.
     Sehr früh am Morgen, um 4.40 Uhr des 23. Oktober, kam ich an der Pier an, begleitet von meiner Frau und meinem Stiefsohn. Da war schon munteres Treiben. Die Mauer an der Pier war von Zuschauern voll besetzt. Ruhig und organisatorisch geregelt die letzten Vorbereitungen. Das Zeremoniell des Body-Marking. Jeder wird auf einen Sockel gestellt und an verschiedenen Stellen sorgfältig mit der Startnummer bemalt. Dann zum Rad mit der Pumpe, neun Atü Druck, die Trinkflaschen anbringen und Power Bars verstauen. In den Tagen vorher war schon Einiges vorausgegangen, Gear-Check-In, Bike-Check-In, jetzt sollte alles an Ort und Stelle sein. Schuhe und Kleidung fürs Rad und fürs Laufen jeweils mit Startnummern. Der Schwimmstart - ein spektakuläres Ereignis, voller Spannung schon fünfzehn Minuten vorher, wenn die Athleten im aufgehenden Sonnenlicht erst zögernd, dann in Scharen ins Wasser tauchen und sich an der Startlinie formieren. Ich hatte mich hinten eingereiht, als der Böllerschuß dröhnte. Einigermaßen unbehelligt konnte ich die hektischen ersten Minuten überstehen. Ich wußte ja um meine Schwimmschwäche und achtete bewusst auf Technik: Die Arme weit vorne Eintauchen und voll Durchziehen. Auch nach dreißig Minuten waren noch Einige neben mir, und ich konnte da gut mithalten. Dann versuchte ich im Sog einer Dreiergruppe mitzuziehen. Da fuhr mir urplötzlich ein stechender Muskelkrampf in den linken Oberschenkel. Als ich innehielt und ans Bein fasste, war schon eine Helferin auf einem Surfbrett liegend an meiner Seite und rief mir zu: "Hang on!" Ich widerstand dieser Versuchung, denn ich wäre aus dem Rennen gewesen, wenn ich nur eine Hand aufs Brett gelegt hätte. Ich konnte den Krampf lösen, aber es bildeten sich in der nächsten halben Stunde immer wieder neue Krämpfe, im rechten Bein und in den Fußsohlen aus. Ich reduzierte daher den Beinschlag auf ein Minimum, nur um die Beine nicht zu weit durchhängen zu lassen. Endlich hatte ich das Schiff am Wendepunkt erreicht und noch hatte ich einige andere Schwimmer auf kurze Sichtweite. Meine Helferin wich nicht mehr von meiner Seite. Auch zu meiner Rechten hatte ich einen Begleiter.
     Sie schaute immer zu mir her, es war nur ein halber Meter. Zunächst besorgt, dann sichtlich erleichtert, als ich die Frequenz etwas erhöhte und nicht nachließ und schließlich leicht amüsiert, als ich mich an eine Schwimmerin heranarbeitete. Dazwischen immer wieder ein kurzer Blick nach vorne, die Menschen im Zielbereich waren schon deutlicher zu sehen. Inzwischen waren die Begleitboote und Helfer auf den Surfbrettern zu meiner Seite zu einer Armada angewachsen. Im Endspurt ließ ich die Schwimmerin wieder ziehen, es waren nur einige Sekunden. Die zählen nicht in der Endrechnung. Zwei Stunden und zwei Minuten zeigte die Uhr, als ich aus dem Wasser stieg. Ich wollte zehn Minuten schneller sein.


Seite 1 2 3
zurück zur Übersicht